Nach dem Landfall

Glücklicherweise, alles ist überstanden. Wir hatten eine ruhige Nacht, Fresa wollte es zwar nicht glauben und wollte sich erst im Kleiderschrank verstecken und ist die ganze Nacht nicht unter dem Bett hervorgekommen, aber nichts ist passiert. Wir sind wohlauf.

Der Strom war für einige Stunden abgestellt, aber heute morgen ging der Ventilator wieder an. Dean wurde tatsächlich noch Kategorie 5 und ist mit unglaublicher Wucht an der Costa Maya an Land gegangen. Die Wellen sind die ganze Küste herauf riesig. Ich war heute noch nicht am Strand, aber selbst gestern nachmittag waren einige strandnahe Bars schon fast überspült. Da wird wieder einiges fortgerissen und überspült worden sein. Die Tourismusindustrie wird nur daraus nicht lernen und die Touristen wollen ja immer alles so nah wie möglich am Strand. Aber solange es nur Gebäudeschaden von Bars, Diskotheken etc ist, ist das alles zu verschmerzen.

Also, diesmal ist es überstanden. Bleibt zu hoffen, dass die wirklich betroffenen Gebiete sich schnell erholen.

Christine

Vor dem Landfall

Wahrscheinlich das letzte Mal bevor der Strom gekappt wird. Guten Morgen nach Europa, denn ihr werdet diese Meldung wahrscheinlich erst Dienstag morgen lesen.

Hier wird es langsam Abend, wir waren noch einmal am Strand und es ist schon eine beträchtliche Welle, die laut Vorhersagen bis auf 10 m wachsen soll und so einigen Schaden in Strändnähe auch bei uns in der Gegend anrichten wird. Tulum ist immer noch in der Hurrikanwind- Zone, gegen 3 Uhr früh Dienstag wird damit gerechnet, dass das Auge auf Land trifft. Mit einem Radius von ca. 95 km und Zuggeschwindikeit von ca. 30 km/h lässt sich errechnen, dass wir ca. ab Mitternacht mit heftigsten Winden rechnen können. Soviel meine Prognosen. Eben startet leichter Regen.

Dean in fron of the Yucatan Peninsula

Das Haus ist vorbereitet, alles innen verstaut, den Abend werde ich noch damit verbringen, die Bücher und elektrischen Geräte in Plastiktüten einzupacken und dann hoffe ich, vor Müdigkeit ins Bett zu fallen und den Sturm zu verschlafen.

Mit Astrid und Gabi – meinen zwei Nachbarinnen – Lichtzeichen zur Verständigung ausgemacht (als Taucher Kreis für OK, Auf und Ab für Achtung und heftig Auf und Ab für Panik 😉 und weil ich heute nacht alleine mit Fresa bin, habe ich eine Pfeife, um Alarm zu geben. Also mehr können wir als Deutsche wirklich nicht mehr vorbereitet sein.

Euch da draussen und vor allem meinen Freunden in Tulum viel Glück und haltet die Ohren steif.

Christine

Dean - later that evening

Freier Tag

Mit Sonnenschein heute morgen aufgewacht. Und natürlich gleich im Compi und im TiVi nach den neuesten Meldungen zu Dean.

Alle rechnen damit, dass er zu einem Kategorie 5 Hurrikan innerhalb der nächsten Stunden wachsen wird, weil das karibische Meer sehr warm ist und ihm dadurch viel Energie bringt. Gut für uns ist, dass er augenscheinlich westlich zieht und es für uns kein direkter Hit wird. Trotzdem ist das keine Entwarnung, denn rechts der Zugrichtung des Hurrikans haben die Winde die grösste Kraft. Wie so oft, habe ich bei Wikipedia gute Informationen gefunden.

Wieder einmal vergessen, dass es in Mexiko „Ley seca“ gibt. Die legen per Gesetz alles trocken! Im Klartext heisst das, der Alkoholverkauf ist zwei Tage vor und zwei Tage nach dem Hurrikan verboten. Wieder mal Pech gehabt, weil ich mich nicht eingedeckt habe. Eine Flasche Wein für die langen Abenden, das wird sicher nicht lange reichen. 🙂

Natürlich vergesse ich nicht, bloss weil er an uns wahrscheinlich vorbeiziehen wird, wird es trotzdem betroffene Gebiete geben. Für Yukatan wird er über das Biosphäre- Reservat Sian Ka’an ziehen, viel Natur, nicht ganz so viel Bevölkerung, jedoch auch schlechter erreichbar und schlechter abgesichert. Ich hoffe und wünsche für alle betroffenen Regionen, dass sie genauso gut versorgt und vorbereitet sind wie wir in Playa del Carmen.

Christine und Fresa

Advanced Open Hurricane Specialty

Beim zweiten Mal gibt’s das Brevet automatisch. Anders als mit Galgenhumor ist die ganze Situation nicht zu nehmen. Also bleiben wir halt lustig und machens wie die Mexikaner und beschwören: Manana, calmate, relajate.

Dos Ojos, die Cenote, war heute unglaublich überlaufen, kein Wunder, denn alle Boote sind schon in Sicherheit. Um 10 Uhr morgens wurde im Radio durchgegeben, dass Montag ab 14:00 der Flughafen geschlossen wird. Das erscheint mir doch noch etwas früh, aber andererseits müssen die ankommenden Leute ja noch weiterreisen und benötigen genügend Zeit. Wir befinden uns nun in Warnstufe Orange.

Vier der fünf Vorhersagen errechnen nun eine sehr südliche Bahn für Dean. Der nördlichste Landfall ist immer noch so weit südlich von uns, dass wir in diesem Fall höchstens Sturm und heftige Regenfälle haben werden, aber keinen Hurrikan. Playa del Carmen rüstet sich trotzdem und so auch wir in unserer deutschen „Enklave“. Im Garten sind alle Büsche und Bäume gekappt, alles sieht ziemlich kahl aus, aber so verstopfen uns die Blätter wenigstens nicht den Wasserablauf. Und die Blätter reisst es sowieso ab. Die Vorräte sind aufgestockt – im Supermarkt gibt es keinen Thunfisch in der Dose mehr und auch das Dosenhundefutter ist „alle“.

Fresa ist über die Aktivitäten ganz erstaunt, als ob sie merkt, dass was im Busch ist, geht sie nicht mehr als drei Schritt von der Eingangstür weg, heute morgen musste ich sie rausschmeissen, damit sie den Vormittag bei schönen Wetter draussen verbringt. Sie wollte eigentlich unter dem Bett bleiben. Aber ich weiss es ja besser, der Sturm kommt ja noch nicht.

Ich will keine Vorhersagen machen und abwarten, aber …… „wird scho wern“. Soviel lauten Optimismus erlaube ich mir.

Und stellt euch vor, morgen gehen wir tatsächlich morgens nochmal in die Cenote zum Tauchen, wir fahren früher ab und werden gegen 12 Uhr mittags zurück sein. Ich bin noch nicht eingeteilt, weil nur ein Guide benötigt wird, aber es ist alles wirklich noch recht normal.

Ok, geht man durch die Stadt, sieht man schon einige Schaufenster verbrettert und vernagelt. Wie gesagt, Playa bereitet sich vor.

Christine
Advanced Open Hurricane Specialty Instructor

Boote in Sicherheit

Hallo Leute,

heute an Tortuga und Barracuda getaucht. Das Meer war relativ flach und Sichtweiten unter Wasser gut. Trotzdem werden wir die Boote der Tauchschule heute in Sicherheit nach Puerto Aventuras bringen.

Dean soll am Dienstag ankommen. Er hat an Staerke gewonnen und ist jetzt bereits Kategorie 4. Und langsamer ist er auch geworden. Dadurch gewinnt er natuerlich ueber Wasser immer noch mehr an Kraft.

Meine Hurrikan- Checkliste: Holz habe ich ja bereits gekauft, Trink-wasser lass ich mir noch liefern, Brauchwasser muss ich in alle moeglichen Behaelter abfuellen. Hundefutter, damit mir Fresa nicht verhungert. Fuer mich auch Dosenfutter. Ja nix, was gekuehlt werden muss, denn Strom wird es ja nicht geben. Warmes Bier – brrrrrrrrrr. Am besten auch aus der Dose 🙂 Batterien laden, Tauchlampen aus der Basis mit heim nehmen. Buecher organisieren, damit ich was zu lesen habe. Aber eigentlich erwarten wir nicht, dass der Sturm lange dauern wird. Nur wird es ja die Tage danach auch kein Licht geben.

Ein paar Amerikaner sind heute von der Basis ziemlich panisch abgereist. Die Reisebueros sind schon ueberfordert, denn extra Plaetze gibt es nicht mehr zu buchen. Ich habe auch schon gehoert, dass auch niemand mehr eingeflogen wird.

Morgen gehen wir Cenote. Macht bestimmt Spass, weil super viel Leute dort sein werden. Aber das Leben geht normal weiter. Bis bald

der Sturm- Ticker von Christine

Dean

Zwei Tage ist es her, da ist er in mein Leben getreten. Dean, Traum meiner schlaflosen Nächte, alles was ich schon immer nicht haben wollte – kurz ein Sturm mit Richtung auf die Yucatan- Halbinsel. „NEIN, nicht schon wieder“, denke ich und fange sofort an Vergleiche zu ziehen. Wie war denn das 2005, nun Emily kam zu uns bereits im Juni und in diesem denkwürdigen Jahr waren um diese Zeit schon weit aus mehr tropische Tiefs, Stürme und Hurrikans unterwegs gewesen. Emily war schnell und ging eigentlich genau wie es vorausgesagt war, direkt auf uns zu. Nun, Playa hat es dann nicht zentral getroffen, aber einige Schäden waren zu vermelden. Und ich sass in meiner Wohnung, hm hm, welche war es noch gleich? Alles ging ziemlich schnell und überdies das Schlimmste war in der Nacht und bald vorüber.

Trotzdem, noch einmal? Muss das wirklich schon wieder kommen. Wie ging das 2005 dann weiter? Im Oktober hatten wir unsere schlimme Wilma, das einzig positive daraus, dass sie Namensvetter für einen kleinen, schwarzen Welpen mit weisser Brust war. Wilma – das Welpen – hatte eine Ramsnase und hat sich binnen weniger Wochen von einem verschüchterten, weil immer drangsalierten Baby, zu einer echten Persönlichkeit entwickelt. Ich hoffe, es geht ihr gut. Wilma – der Hurrikan – kam langsam, aber genauso zielstrebig auf uns zu. Das Auge ging fast genau über uns hinweg und wir alle sassen drei Tage in unseren Häusern fest. Auch die gut Informierten konnten sich nicht vorstellen, dass drei Tage so lang werden können. Kein Strom, kein Wasser, denn alles wird vorsichtshalber vorher abgestellt. Viel Regen, viel Wasser durch Ritzen an den Fenstern und unter den Türen ins Haus, elendiger Wind. Und doch sassen Leute teilweise im Windschatten auf ihren Balkonen und konnten das Schauspiel im Freien mit ansehen. Die Glücklichen! Ich war eingesperrt in meinem kleinen Studio, Gitter vor den Fenstern, keine Möglichkeit sich mal die Füsse zu vertreten oder frische Luft zu schnappen. Richtig eingesperrt war ich, denn die Tür hat sich so voll Wasser gesaugt, dass sie im Rahmen festgeklemmt war und ich als alles vorbei war, nicht mehr rausgekommen bin. Musste komplett das Schloss ausbauen und das nur mit einem Blechmesser und Kreditkarte bewaffnet.

Das sind meine Gedanken, während wir hier normal weiterarbeiten und leben. Gestern Tauchen im Meer, das Meer ist etwas aufgewühlt – sind das schon erste Anzeichen der Schlechtwetterfront? Heute Cenote, wahsinnig viel Leute dort gewesen, wahrscheinlich sind die Häfen in Akumal und Tulum bereits zu, die sind einfach nicht mehr durch die Insel Cozumel geschützt. Wir konnten immer noch rausfahren heute. Morgen gehe ich wieder Tortuga/ Barracuda tauchen.

Am Nachmittag Holzplatten gekauft, mit denen man die Fenster vernageln kann. Man muss schnell sein, denn die Preise steigen rasch. Die Mexikaner wissen auch, wie sie Geld verdienen können!! Ging alles recht problemlos, auch weil ich derzeit einen Pick- up zur Verfügung habe und ich die grossen Platten heimtransportieren konnte. So vernagle ich mich das erste Mal. Na ja, nicht mich, mein Hüttchen. Und das auch erst am Montag Abend, wenn abzusehen ist, dass er wirklich kommen wird. Denn immer noch reden wir ja nur von Wahrscheinlichkeiten, wir liegen zwar auch der direkten Linie und drei von fünf Vorhersagen sagen den Landfall in unserer Nähe voraus, dennoch kann immer noch alles anders kommen.

Anders ist auf jeden Fall, dass ich nun nicht mehr alleine warten muss. Fresa – meine Erdbeer- Hundedame – wird sich sicherlich zu Tode fürchten. Bei einem normelen Gewitter liegt sie schon in der hintersten Ecke unter dem Bett und wenn die Strassen nass sind, geht Madame nicht vor die Tür. Da wird sich dann alles verkniffen. Nun wir werden schon auf uns aufpassen.

Das muss ich mal ganz deutlich sagen. Wer Bilder wie von New Orleans vor Augen hat, ganz verkehrt. Mexiko verhält sich in einer solchen Naturkatastrophe wirklich vorbildlich und die wirklich teuren Schäden gibt es eigentlich in den Touristenzentren, die ganzen Einkaufspassagen mit ihren Fensterfronten, Schnickschnack- bauten, Palapas (Strohgedeckte Dächer), das wird brechen, davonfliegen. Ein normal gebautes Haus, zumal weg vom Strand, wie es sich normal Sterbliche hier leisten können, ist sicher. WIRKLICH, glaubt mir. Ich bin hier sicher und auch wenn ich mich danach ein paar Tage nicht melden werden kann, mir geht es gut und ich bin in Sicherheit.

Sagt allen Bescheid, dass sie hier mal auf den Blog sehen können, wenn sie an mich und Playa del Carmen denken, wenn möglich, gebe ich updates. Bis bald.

die stürmische Resei