Continuing Education – Lebenslanges Lernen

06.08.2004, Lavezzi- Inseln vor Korsika – angepeilt von Sardinien

Mehr als vier Jahre später, schliesst sich ein Kreis und eine Erfahrung bekommt Sinn und ein Erlebnis lässt sich erklären. Ich habe gelernt und verstanden!

An besagtem Tag habe ich als verantwortlicher Kapitän eines Zodiac und als Tauchguide in Planung gehabt, die Lavezzi- Inseln anzufahren. Wir hatten einige Tage nicht so ideale Bedingungen, um die Überfahrt durch den Kanal zu wagen, der Sardinien von Korsika trennt. Man bedenke, es ist ein Schlauchboot, welches zwar einen festen Boden und eine gute Aussenbordmotor hat, denoch mussten wir einen geeigneten Tag für diesen anstrengenden Halbtagesauflug einplanen.

Das GPS war eingestellt und es ging los. An Bord waren neben meinen besten Freunden, Brigitte und Johann, noch zwei weitere Taucher, die sich auf das Erlebnis der Riesen- Zackenbarsche vor Lavezzi freuten. Die Fahrt war anstrengend, den Wellen liessen das Boot springen und die Rüttelei ermüdete sowohl Gäste wie auch mich am Steuer.

Die Grobpeilung war einfach, die Richtung klar, das Tauchgebiet bekannt, die Landmarken für die Kreuzpeilung offensichtlich. Es ist eines der Grundregeln der Navigation, niemals dem GPS alleine zu vertrauen, sondern durch Kenntnis des Tauchgebiets auch natürliche Navigation verwenden zu können. So fühlte ich mich gut vorbereitet, denn in Lavezzi war ich die Jahre zuvor bereits mehrere Male. Ich hatte das GPS bereits zuvor benutzt, um sogenannte Routen einzuspeichern und habe von der Tauchbasis die Koordinaten in mein GPS übertragen.

Um die Geschichte kurz zu machen: wir haben den Tauchplatz nicht gefunden. Wir waren nach langer Suche schliesslich an irgendeiner Untiefe tauchen und mit viel Glück konnte ich auch einen Zackenbarsch präsentieren, aber wir waren sicher nicht an dem Tauchplatz der Zackis vor Lavezzi.

10./11. Januar 2009, Mexiko, Riviera Maya

Hier die Erklärung, warum die Überschrift „Lebenslanges Lernen“ heisst. Ich gehe auf meinen zweiten „Jungle walk“. Das Projekt ist eine neue Cenote zu finden, zu erforschen, zu kartografieren etc. Das Erforschen startet mit einem simpel gesagten Spaziergang in den Dschungel, der aber in der Realität sehr anstrengend ist, weil jeder Schritt mit der Machete freigehackt werden muss. Der Expeditionsleiter und ich sind beide mit GPS ausgerüstet. Nach dem ersten Walk im Dezember stelle ich in der Nachbearbeitung der Daten eine Diskrepanz zwischen seinem GPS und meinem fest. Ich kann es nicht erklären. Nachdem wir auf der Karte aber danach abgeglichen hatten, dass seine Richtung defnitiv richtig war (was ich auch nicht angezweifelt hatte), machte ich mich an die Analyse meiner Abweichung und musste feststellen, dass die Grundeinstellungen meines GPS so absolut falsch waren, dass sie mich tatsächlich in die absolut falsche Richtung führen wollten. Bei einer Distanz zum Ziel von ca. 400 m war die Abweichung wirklich so, dass mein GPS sagte, geh nach Osten und seines zeigte das Ziel mehr in Nord-West- Richtung an. Die Änderung der Grundparameter in meinem GPS führte dazu, dass ich mit seinen Daten konform bin.

Ich konnte vor vier Jahren den Tauchplatz gar nicht finden, weil mich das GPS in die komplett falsche Richtung geführt hat. Ich weiss noch, dass ich nie die Landmarken für die Kreuzpeilung in Sicht hatte, heute frage ich mich überdies, ob ich je vor den Lavezzi- Inseln war!!

Einerseits ist es wichtig für mich, dass ich Erfahrungen aus der Vergangenheit endlich relativieren kann und etwas daraus lerne, andererseits frage ich mich, warum es solange gedauert hat. Klar, ich bin hier in Mexiko auf den Booten immer nur als Tauchguide für die Planung und Durchführung des Tauchgangs verantwortlich, das Auffinden das Tauchplatzes obliegt dem Kapitän. Dennoch, die Höhlen zeigen mir, dass ich mit dem Prozess des Lernens nicht fertig bin und ich bin stolz, dass ich immer wieder neue Sachen lerne.

Die Moral von der Geschichte? Brigitte, Johann, auf nach Lavezzi, ich weiss, wo die Zackenbarsche sind!

Christine
die in ihrem neuen Auto auch einen Kompass hat, damit sie sich nicht verfährt 🙂