Einige Betrachtungen über das Tauchen – in Bezug auf Ausrüstung

Oder warum sehe ich Tauchen in Sidemount als die technisch ausgereifteste Form?

Wir Taucher gehen aus den verschiedensten Gründen ins Wasser, einer weil er Fische sehen will, der andere weil er die Ruhe geniesst. Wieder ein anderer weil der das Abenteuer sucht, ein nächster, weil er Reisen liebt.

Allen gemein ist, dass wir im Medium Wasser uns Tauchausrüstung bedienen müssen, damit wir nicht nur überleben, sondern uns auch angemessen wohl fühlen können. Was erwarte ich nun von einer Tauchausrüstung?
Maske: damit ich unter Wasser sehen kann.
Flossen: sollen mir Vortrieb geben und das Manövrieren erleichtern
Anzug: soll mich warm halten und mich nicht in der Bewegung einschränken.
Lungenautomaten: sollen mir jederzeit ohne grosse Atemarbeit gut Luft spenden
Tartiereinheit: soll mir jederzeit neutralen Auftrieb verschaffen und positiven Autrieb an der Oberfläche erhalten

Das sind nun in aller Einfachheit die Anforderungen an meine Tauchausrüstung. Vielleicht schreibe ich auch einam einen gesonderten Beitrag über Anzug, Lungenautomaten, Flossen und Maske, jedoch möchte ich mich heute auf die Tariereinheit konzentrieren.

Der Mensch hat sich in seiner Evolution aus der vierfüssigen Position in eine aufrechte Position entwickelt, weil evolutionstechnisch dies an Land entscheidende Vorteile gebracht hat. Wir haben gelernt, den Körperschwerpunt (KSP) zu spüren und zu nutzen. Allein beim Gehen können wir die Teilkörperschwerpunkte auf geschickte Art so aufeinander abstimmen, dass wir nicht umfallen. Babies lernen das und wer mal gestolpert ist, weiss was es bedeutet, den Körperschwerpunkt nicht mehr über den Füßen zu haben, d.h. der KSP kann anders als bei starren Körpern sich bewegen und auch ausserhalb des Körpers sein. Aus den evolutionstechnisch bedingten Gründen liegt der Körperschwerpunkt eines Menschen unterhalb der rechnerischen Mitte, also näher zum Boden hin. Das erlaubt uns eine relativ stabile Position ohne zu aufwändige Muskelarbeit.

Was ist aber der KSP? Der Körperschwerpunkt ist ein fiktiver Punkt, in dem die Masse des gesamten Körpers gedacht werden kann und Angriffspunkt der Schwerkraft, d.h. im KSP halten sich die Schwerkraftmomente aller Masseteile die Waage.
Körperschwerpunkt Tauchen KSP Sidemount

Aus der aufrechten Position des Landlebewesens, kommt der Taucher nun in die horizontale Position. Wir sind nun in anderen Lebensumständen und können die Evolution beschleunigen, indem wir die Notwendigkeiten betrachten und dann das Beste auswählen:

Übung Nr. 1:

Bring dich im Wasser mit kompletter Ausrüstung in neutrale Tarierung, versteife keine Muskeln, keine Bewegungen der Arme oder Flossen. Ich empfehle diese Übung ab einer Wassertiefe von ca. 5 m, vor allem wenn man einen Neoprenanzug anhat. Das Neopren komprimiert sich mit zunehmender Tiefe und verändert daher deinen Schwerpunkt. Normalerweise werden wir nicht flacher als 5 m tauchen, was die normale Tiefe für Sicherheitsstopps gilt. (zur Ausnahme komme ich später).
Aufgrund des KSP werden wahrscheinlich deine Beine absinken.

Wenn du schon ein fortgeschrittener Taucher bist, wirst du gelernt haben, dem vorzubeugen durch eine Umverteilung des Bleis, durch leichtere Flossen, durch dickere Füsslinge, durch eine leichte seitliche Wischbewegung der Flossen (im englischen Sculling genannt).

Die Tariereinheit selber kann man nicht viel verändern zu der gekauften Version. Klodeckel hatten einen Luftschlauch im den Hals, Jackets haben die Luftverteilung mehr an den Körper um den unteren Brustraum gebracht und die Verteilung je nach Konstruktion des Jackets verteilt; man erinnere sich an die ADV- Jackets mit ihrer ohnmachtssicheren Position an der Oberfläche versus herkömmlicher Jackets. Wings haben die Luftblase zwischen Flasche (grösserer negativer Abtrieb) und Körper des Tauchers gebracht. Viele Sidemountsysteme haben den Stil der Wings imitiert, jedoch habe ich die Flaschen ja nicht mehr auf dem Rücken, daher ist für mich die technisch ausgereifteste und evolutionär am weitest oben stehende Lösung, die Tariereinheit nahe des Körperschwerpunkts anzubringen. Im Klartext auf dem Rücken jedoch mit dem Grossteil der Luftblase in Nierennähe.

Übung Nr. 2:

Nun bringe dich in neutraler Tarierung leicht in die Seitenlage, entspanne dich und lass die Physik deinen Körper drehen. Du wirst wahrscheinlich in Rückenlage kommen, denn dies ist die stabile Position. Jeder Körper wird immer bestrebt sein, aus einer labilen Gleichgewichtssituationen in eine stabile Position überzuwechseln. Sehr schön sind die Bestrebungen von Tauchanfängern anzusehen, die beim Abtauchen damit kämpfen, von der schwereren Flasche nicht in Rückenlage gezogen zu werden und als guter Tauchlehrer geben wir auch unsere Erfahrungen weiter, wie wir mit der Ausrüstung und ihre Mängeln korrekt umgehen. Selbst ein Wing-Jacket ist ein nur teilweise stabiles System, denn wenn ich im neutralen Zustand im Wasser mich in die 90° Seitenlage bringe, gibt es immer noch 2 Drehmöglichkeiten, auf den Rücken oder in die normale Tauchposition.

Das Anbringen der Tanks seitlich neben dem Körper verändert den KSP weniger und idealerweise bleibt der KSP immer noch innerhalb des menschlichen Körpers. Dies gilt vor allem bei Anbringen von 2 Tanks, jedoch auch beim Single Sidemounting habe ich den KSP in einer eher stabilen Position seitlich/unterhalb des Tauchers. Achtung: Ich kann nicht zu sehr abschweifen und die unterschiedlichen Tanks mit ihrem unterschiedlichen Auftriebsverhalten diskutieren (auch das vielleicht in einem späteren Beitrag).

Dies wird durch die Tariereinheit, die ja in der Nähe des KSP angebracht ist, ausgeglichen, d.h. die physikalischen Kräfte setzen sehr nahe am gleichen Punkt an und ich habe ein sehr geringes Drehmoment und daher natürlicherweise von Anfang an eine sehr ruhige Wasserlage.

Die Ausrüstung, die diese beiden eigentlich sehr logischen und einfachen Gegebenheiten berücksichtigt, erlaubt mir von Anfang an mit weniger Blei zu tauchen, da ich Blei nicht mehr als Trimhilfe (um mich in der horizontalen Lage zu halten) verwenden muss.

Warum will ich aber nun in horizontaler Lage sein?

Auch hier nur ein paar relativ kurze Stichpunkte, um das alles nicht zu sehr in die Länge zu ziehen:

Auch wenn ich mich im dreidimensionalen Raum bewege, muss ich aufgrund der Riffstruktur mich meist horizontal vorwärtsbewegen. Wasserwiderstand gebietet, dies in der stromlinienförmigsten Form zu machen. Selbst an Steilwänden, an denen ich mit der Strömung entlangtauche, ist die horizonale Position von Vorteil, weil ich jederzeit meine Flossen für Korrekturbewegungen verwenden kann, was nicht der Fall ist wenn ich vertikal im Jacket drin hänge.

Viele Tiere leben in Höhlen und Überhängen, damit ich da reinsehen oder sogar reinschwimmen kann, muss ich horizontal sein und überdies auch rückwärts wieder raustauchen können. Wer das nie übt, wird das nicht können, die benötigten Muskeln müssen sowohl trainiert werden, wie auch die notwendige Muskelerinnerung durch ständige Wiederholung aufgebaut werden.

Anmerkung: Manchmal möchte ich auch kopfüber oder seitlich irgendwo reinsehen, auch diese geht mit einem guten Sidemountsystem besser als mit jedem anderen System (siehe die Erklärungen zum KSP oben).

Die Flossen sollten in der Verlängerung des Körpers entgegengesetzt zur Vortriebsrichtung sein. Auf dem Rücken angebrachte Tanks versteifen das Rückgrat des Tauchers zu sehr und behindern. Selbst ungelenke Taucher werden in Sidemount einen besseren Vortrieb haben als mit auf dem Rücken montieren Flaschen.

Fotografen können sich besser an ihr Objekt annähern, wenn sie horizontal sind und bessere Ergebnisse erzielen. Weniger aufgewirbelter Sand, weniger Kontakt zum Riff, nähere Annäherung möglich, da man für den Fisch im Querschnitt nicht so gross erscheint.

Dekompressionstheorie besagt, dass ich meine Deko- oder auch nur die Sicherheitsstops in der gleichen Position machen sollte, wie ich mehrheitlich getaucht bin, damit die Entsättigung der Gewebe im Körper genauso gleichmässig verläuft wie die Aufsättigung. Dazu sollte ich so entspannt wie möglich bei der Entsättigung sein, um nicht sogenannte Spannungsdeko zu verursachen.

Und noch habe ich kein einziges Mal von technischen Tauchgängen gesprochen, für die das alles natürlich auch gilt.

Meine Tauchausrüstung habe ich mir ausgesucht, weil sie mir beim Tauchen unter Wasser die optimale Lösung bietet, das Handling an Land ist natürlich unterschiedlich zu anderen Systemen und muss auch geübt werden, genauso wie eine optimale Position und Bewegung an der Wasseroberfläche.

Bei der derzeit üblichen Politik der Fluglinien über Tauchgepächbeförderung ist auch die Gewichtsfrage der Ausrüstung nicht zu vergessen. Sporttauchjackets haben ein sehr hohes Gewicht (bis auf die meiner Ansicht nach oftmals sehr minderwertigen Traveljackets), Wing und Backplate vielleicht sogar noch mit Single-tank Adapter sind sogar noch schwerer.

Mein Sidemountharness ist um ein vielfaches leichter, kompakter und vor allem flexibler. Ich kann mich entscheiden, es als single-sidemount Version im Freiwasser zu tauchen, bei technischen Tief- Tauchgängen, bei Höhlentauchgängen, als Solodiver (alles natürlich, sofern ich die entsprechende Ausbildung dazu habe).

Welches System ich benutze? Das Razor von GoSidemount, weil sie o.g. konsequent umgesetzt haben.

Näheres zu mir und wo ich tauche.

Noch ein kleines Nachwort: Gebe ich Kurse, dann gleiche ich meine Ausrüstung mit meinen Studenten ab. Open Water Kurse also zumeist noch mit herkömmlichen Jackets, wer jedoch mit seinem Sidemountharness ankommt, der kann bei mir die von ihm/ ihr gewünschten Kurse natürlich auch in dieser Konfiguration machen und selbstveständlich von Open Water an.

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