Taucher und Druckausgleich

In der Praxis begegne ich sehr häufig Tauchern, die obwohl sie bereits seit vielen Jahren tauchen, dennoch die falsche Druckausgleichstechniken anwenden. Wie jede schlechte Angewohnheit ist es umso schwieriger eine einmal gelernte Verhaltensweise umzulernen, als von Anfang an das Korrekte zu erlernen.

Auch Tauchanfänger bekommen oftmals die falschen Informationen, die dazu führen, dass der Taucher während oder nach dem Tauchen Beschwerden hat.

Als Tauchlehrer mit über 10 Jahren Erfahrung im Unterrichten von Anfängern bis hin zum technischen Tauchen in Höhlen (dies seit 2009), ist es mein Bestreben auch bei „nur“ geführten Tauchgängen, solche Fehlinformationen und falsches Verhalten zu korrigieren. In Kursen ist es sowieso fester Bestandteil und ich bin stolz, dass ich vielen schon helfen konnten, die sonst vermutlich wenig Freude beim Tauchen hätten.

Seitdem ich den Link von Dr. Edmund Kay mit dem hervorrangenden Video eines Vortrags über den Druckausgleich gefunden habe, hilft eingangs schon ein Verweis auf dieses Video verbunden mit dem Einüben der korrekten Techniken am Tauchplatz und während der Tauchgänge vor allem beim Abtauchen. Leider ist die Seite und das Video „The Diver’s Ear – Under Pressure“ nur auf Englisch vorhanden. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich dann auf die deutsche Übersetzung des Vortrages gestossen bin.

Druckausgleich – Wie vermeidet man ein Mittelohr- Barotrauma.

Ich kann es nur wiederholen, das Lesen, Üben und Anwenden der korrekten Techniken hilft Probleme und Schmerzen zu vermeiden.

Einige der oft gehörten Aussagen:

Meine Tuben sind sehr eng und ich kann den Druckausgleich nicht richtig machen und es schmerzt immer.

Natürlich gibt es pathologische Veränderungen, die dauerhaft den Druckausgleich erschweren oder Erkrankungen wie Schnupfen, Allergien, die die Durchgängigkeit der Tuben so weit herabsetzen, dass ein Druckausgleich nicht herbeigeführt werden kann. Dann heisst es aber: absolut tauchuntauglich (wenngleich im Falle des Schnupfens etc. dies meist nur temporär tauchuntauglich ist).

Die Enge der Tuben ist nicht der Grund der Schmerzen, sondern dass zuwenig Druckausgleich herbeigeführt wird, zu spät oder die falsche Technik angewandt wird.

Mein Arzt hat gesagt, dass ich immer Probleme und Schmerzen haben werde und das ist ok.

Diese Aussage habe ich tatsächlich so gesagt bekommen. HALT, nein, es ist nicht ok!

Am Ende des Urlaubes geht es dann.

Ich würde den Tauchern wünschen, dass es bereits am ersten Tauchtag gut klappt und man kann dies mit der richtigen Druckausgleichstechnik erlernen. Am Ende des Urlaubs hat der Taucher sonst ein Barotrauma oder mit viel Glück sich dann durch die Erfahrungen während der Tauchgänge in seinem Verhalten so angepasst, dass weniger Schmerzen auftreten. Es geht auch schmerzfrei!

Ich habe Tropfen dabei, die ich immer nehme.

Im eigentlichen Sinne der Tauchtauglichkeit ist der Taucher nicht fit für den Tauchgang, wenn er Medikamente nehmen muss.

Ich habe nach dem Tauchen immer das Gefühl, wie wenn ich Watte in den Ohren habe und schlecht höre.

Das Trommelfell hat höchstwahrscheinlich schon ein beginnendes Barotrauma und dieses Anzeichen sollte ernst genommen werden. Man sollte mit dem Tauchen ein paar Tage aussetzen, bis sich das Hörvermögen wieder normalisiert hat.

Ich brauche etwas länger für den Abstieg.

Erstmal ist dagegen absolut nichts einzuwenden. Der Taucher, der am meisten Zeit benötigt, gibt das Tempo vor. Problematisch wird es, wenn die Buddyteams getrennt werden (mein Partner wartet schon mal unten auf mich), wenn es Strömungstauchgänge sind (mit unterschiedlicher Strömung an der Oberfläche und im Freiwasser bzw. am Grund) und vor allem dann, wenn in Strömung der Tauchplatz auch noch relativ klein ist. Jeder Taucher sollte sich im Urlaub immer eintauchen und diese Tauchgänge gegen Ende legen, wenn alles wieder wie geschmiert läuft. Sind jedoch die Druckausgleichsprobleme bis dahin nicht behoben, gibt es leider eine Einschränkung und diese Tauchplätze sind nicht für diese Taucher geeignet. Im Falle des Grottentauchens muss man auch noch berücksichtigen, dass während des Tauchgangs mehrmals Tiefenwechsel stattfinden können und man bei manchen Grotten- oder Höhlentauchgängen durch flache Bereiche taucht und danach wieder abtauchen muss, um an den Ausstieg zurückzukommen.

Noch niemand hat mir das zuvor gesagt

Auch wenn der Taucher es nicht hören will und sich auch vielleicht in seiner Taucherehre gekränkt fühlt. Aber aus Gründen der Tauchsicherheit behalte ich mir das Recht vor, Tauchplätze nicht anzubieten, wenn ich das Gefühl habe, dass es über das taucherische Können des Tauchers hinausgeht. Und im Fall von Druckausgleichsproblemen sollte der Taucher selber seine Gesundheit ernst nehmen. Damit es zu keinem Unfall kommt, der aus Unwissenheit über die Tauchbedingungen passiert, bin ich in diesem Fall lieber übervorsichtig. Risikobereitschaft und „Das wird schon gut gehen“ Denken haben im Tauchsport nichts zu suchen.

Vielen Dank an dieser Stelle an Dr. Edmond Kay und an © M. Uhlmann / 200bar.de für die Übersetzung.

In diesem Sinne, allzeit gute Tauchgänge, und viel Spass beim Üben der verschiedenen Druckausgleichstechniken.

Christine