Three Times makes Easy

oder Wie man sich am besten auf eine Prüfung vorbereitet

PADI hat mit seinen Materialien für das Selbststudium eine Vorreiterrolle eingenommen, die ihnen zu einem Vorsprung in der Vermarktung verholfen haben. Meiner Ansicht nach, beisst sich das Konzept aber selbst in den eigenen Schwanz, weil die Tauchlehrer, die die Materialien verwenden, aus Zeitgründen die falsche Vorgehensweise verstärken.

Ein all zu typisches Beispiel:

Kunde kommt in den Laden und möchte seinen Tauchkurs beginnen. Die Frage nach vorhergehender Erfahrung beantwortet er mit nein und ach ja, ‚ich bin auch nur eine Woche hier‘. Ihm wird das Buch in die Hand gedrückt und wenn der Tag noch nicht zu weit fortgeschritten ist, dann auch gleich die entsprechenden Videos (falls sie für den Kurs vorhanden sind). Die Wiederholungsfragen werden unmittelbar nach dem Video beantwortet und aus Zeitmangel wird auch oft mal gesagt, dass man sich die „Quick Quizzes“ an der Seite ansehen soll. Wenn man die nach dem Video beantworten kann, dann ist das ok und man braucht nicht das ganze Buch zu lesen, wenn nicht, einfach den entsprechenden Abschnitt im Buch nachlesen. Da gerade bei PADI die Antworten im Anschlusstest fast nur reine Auswahl der richtigen Antworten ist, ist die Chance recht hoch, dass das Ergebnis zufriedenstellend ausfällt

Ich geb es zu, ich habe meine Tauchschüler auch schon so geprept.

Die Frage ist, ob der Tauchschüler tatsächlich alles Notwendige im Langzeitgedächtnis abgespeichert hat.

Bei der Lektüre zu einem etwas anderen Thema – nämlich klassischer, instrumentaler und operanter Konditionierung – bin ich dann auf diese überaus ausführliche Seite gestossen und das Einleitungskapitel hat mich zu diesem Blog inspiriert.

Hier das Zitat:

The ideal way to use the study questions is to ignore them initially and read the chapter front to back like a story. Most students need to get started several days in advance and read one major section at a time, to avoid last minute cramming. Later on, use the study questions to make sure you are clear on the basic points of the chapter. Follow steps 1, 2 and 3 below.

After you have given yourself a chance to soak up the information naturally, then (and only then) use the study questions to check your comprehension. Follow this procedure:

What is the handy three-part technique for getting top grades?

1. Do not test yourself immediately after reading. Wait at least a minute. Turn your mind to some other subject. You must clear out short-term memory in order to determine whether you can retrieve information from long-term memory. <.....>

2. Take a blank sheet of paper and set the paper over the text column, so that you see only the column of study questions. This is important to assure the answers are not visible in your peripheral vision and also to eliminate contextual cues like headings that will not be present during a quiz.

3. With the text column covered, ask yourself each study question and see if you can discuss the answer intelligently from memory. If you cannot, repeat this three-part strategy, and do not be satisfied until you can go through the whole chapter doing this, answering the questions without looking at the text. Then you should get a top grade on the quiz, because the quiz items are based directly upon topics mentioned in the study questions.

Do not simply look back and forth between the study questions and the text column. That is an ineffective study technique, because if you look at the answer you will have it fresh in your mind, and you will always feel you know the answer when the material is fresh in your mind. The real question is whether you can answer the study question a minute or two after you have read the material and after you have taken your mind off it for a few minutes.

Are there people who can skip this advice and still do well?

Not everybody needs to do this. In every class there are a few students who read a chapter once, understand it, and get a high grade on the test. This depends on the chapter. A student with a good biology background might do well after a single reading of Chapter 2 (…) but might need to read Chapter 5 (…) more than once. Students show large individual differences in judgments about which chapters were easiest or hardest, most interesting or least interesting. People vary in their tastes as readers as well as their ability to assimilate unfamiliar college-level material.

Aus der Seite Psych Web von Dr. Dewey

Für solche Studenten, denen das Wissen nicht sofort zufliegt, ist seine Schlussfolgerung, dass man eine neues Thema dreimal studieren sollte (intensiv durchlesen und nichts sonst), damit es verstanden wird und man es zu seinem eigenen Gedankengut macht. Und dies nennt es sein „Three Times makes Easy“.
In der ersten Stufe macht man sich mit der Thematik bekannt, aber es entsteht noch kein stimmiges Ganzes. Der Student sagt, ‚Ich hab das studiert‘, aber er kann noch keine Antworten auf die Wiederholungsfragen geben, wenn das Buch geschlossen ist.
Beim zweiten Durchlesen formen sich Verlinkungen. Einige Dinge beginnen Sinn zu machen. Der Student kann auf diesem Level isolierte Antworten geben, die korrekt klingen, aber er kann sie nicht diskutieren, was sie in einem grösseren Kontext bedeuten.
Beim Dritten Durchlesen wird alles klar. Oft erscheint es in der Rückschau als einfach oder selbstverständlich. Ein Student auf diesem Level fühlt sich mit dem Material vertraut und könnte es einem anderen Studenten beibringen.

Alles was notwendig ist, um Lernen einfach zu machen, ist das dreimalige Lesen.

PADI hat dieses Dilema augenscheinlich gelöst, in dem sie das Wissen via Video, Textbuch und praktischer Wiederholung anhand von Wiederholungsfragen, Abschlusstest und den praktischen Anwendungen in und am Wasser anwendet. Überdies verpflichten sie zum Kauf des Buches. Aber ist es der richtige Weg und hat der Student auch alles wirklich verstanden und absorbiert?

In Erinnerung ist mir auch mein Blog über das Lernen gekommen, in dem ich über ähnliche Mechanismen der Kompetenzstufenentwicklung geschrieben habe.

Meine Bitte an alle, die Lernen wollen. Nehmt euch die Zeit dafür.

Immer gut Luft
Christine
PS: Die Idee für diesen Beitrag kam übrigens zustande, weil ich im Lernen bin, wie ich meine Hunde am besten trainieren kann, da offensichtlich kein grosses Angebot an guten Trainern hier in meiner Gegend besteht.