Konkurrenzdruck und der Markt

Ich bin ein Leistungssportler. Im Herzen immer noch. Mir gefällt das sich Messen mit anderen nach olympischen Idealen, ohne Neid, Leistung gerne erbringen, Regeln beachten und sich gegenseitig achten. Ich habe es nie auf olympische Wettkampfebene gebracht, nicht mal bayernweit eine Medaille gewonnen, aber im Zuge genau dieses olympischen Gedanken war das eigentlich unwichtig. Wichtig war, dass ich mit Freude trainiert habe (oder oftmals auch nicht), dass der Umgang mit meinen Freunden und Trainingspartner und Coach harmonisch verlief (ok, er hat mich schon zusammengestaucht, wenn ich nicht meinen Trainingsplan erfüllt habe). Wichtig war, wenn wir auf Wettkämpfe fuhren, dass wir Spass hatten und es dennoch ernst genommen haben. Wichtig, war der Wettkampfgedanke ohne dass ich jemals auf die Idee gekommen wäre, einen meiner Konkurrenten nieder zu machen, weder auf persönlicher Ebene noch auf sportlicher. Wir haben miteinander für das beste Ergebnis gekämpft. Ach ja, meine Disziplin war Leichtathletik und in einem Jahr hatte ich auch begonnen, im modernen Fünfkampf anzufangen (als Jugendlicher war es Dreikampf mit Reiten, Schwimmen und Laufen).

Fast forward in die Gegenwart.
Seit vielen Jahren lebe ich nun in Mexiko, seit noch mehr Jahren habe ich mich dem Tauchen verschrieben und ich denke, eines der Hauptgründe, warum es mir im Tauchsport so gut gefällt, ist die Unmöglichkeit mit jemand einen Wettkampf abzuhalten, wer der bessere Taucher ist.
Halt, sagen da die einen, du kannst ja besser tarieren und hast einen besseren Luftverbrauch. Diese Massstäbe anzulegen kommt aus dem Verlangen heraus, mit dem anderen vergleichbar zu sein, die Tarierfähigkeit ist sicherlich ein Massstab, der mich zu einem Besseren, weil sicheren Taucher macht. Und vor allem im technischen Tauchen gibt es viele Fähigkeiten, die geschult werden sollten, damit man ein guter technischer Taucher ist.

Aber wo die Latte hängt, an der man sich messen will, das bleibt jeden selber überlassen und so kann jeder für sich selber entscheiden, ob er am liebsten im Pool rumtümpelt, nur im Warmwasser im Shorty taucht, um bunte Fische zu bestaunen, oder doch sein Glück in einer Höhle sucht.

In welcher ich letztendlich gelandet bin. Ich kann immer noch nicht, dieses völlig geniale Gefühl beschreiben, das mich überkommen hat, als ich meinen ersten Höhlen-Schnuppertauchgang gemacht hatte (nein nicht Grotte sondern mit einem Höhlentauchlehrer vor meinen Kurs einen wahrscheinlich kurzen Intro-to-Cave Tauchgang). Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mich an nicht mehr viel erinnern kann, ausser diesem lebensprägenden Gefühl, dass ich das lernen möchte.

Das war in 2005. In 2019 bin ich nun seit mehreren Jahren selber Höhlentauchlehrer und selbständig. Und im Paradies für Höhlentaucher in Mexiko. Nicht nur gibt es den Wettbewerb unter den Tauchschulen, wer das beste Paket schnürt (sei es nun auf Preisebene, oder Leistung oder Zusatzkomponenten) sondern technisches Tauchen wird für den breiten Markt beworben, als ob es das TO GO für den breiten Markt wäre. Jeder ambitionierte Taucher hört, dass er ja irgendwann Sidemount tauchen muss oder noch mehr Höhlentauchen lernen muss (respektive will). Ich kann die Faszination der Höhlen nicht abstreiten, aber ich komme immer mehr zum Schluss, dass ich das Marketing so nicht mitmachen kann. Einer der Nachteile des Anpreisens seiner eigenen herrausragenden Fähigkeiten scheint es auch zu sein, dass man den Wettbewerb niedermacht. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Soziale Medien wie Facebook und Instagram werden nicht nur für das positive Bewerben Seiner Einer hergenommen, sondern speziell im lokalen Wettbewerb werden hinter der Hand, unterschwelig oder machmal auch ganz offen die offensichtlichen Fehler angeprangert.
Ich bin der letzte Mensch, der dagegen ist, schwarze Schafe in unserem Geschäft offenzulegen, aber es über das Marketing zum Endkunden hin zu machen, zeugt meiner Meinung nach von einem mangelnden olympischen Gedanken in unserem Sport und mag mit ein Grund sein, warum das technische Tauchen keine Idole vorweist, auf die selbst die Nichttauchende Welt mit Achtung blickt. Hier müssen wir noch ein ganzes Stück arbeiten besser zu werden, was für mich bleibt, ist dass ich mich aus dem Medienzirkus noch mehr zurückziehe und dennoch hoffe, dass der geneigte Tauchschüler mich so oder so finden wird.

Ich streite bei niemanden meiner Mitbewerber ab, dass sie nicht das Tauchen lieben und ihren Lebenssinn darin gefunden haben, aber ich hoffe, dass ich in meinen zukünftigen updates auf Facebook einen anderen Ton finden werde, der nicht Citius, Fortius, Altius als Maxime hat, sondern den eher antiken Gedanken der olympischen Sportlichkeit: Fairness und die Anstrengungen und Leistungen anderer zu würdigen.

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