Three Times makes Easy

oder Wie man sich am besten auf eine Prüfung vorbereitet

PADI hat mit seinen Materialien für das Selbststudium eine Vorreiterrolle eingenommen, die ihnen zu einem Vorsprung in der Vermarktung verholfen haben. Meiner Ansicht nach, beisst sich das Konzept aber selbst in den eigenen Schwanz, weil die Tauchlehrer, die die Materialien verwenden, aus Zeitgründen die falsche Vorgehensweise verstärken.

Ein all zu typisches Beispiel:

Kunde kommt in den Laden und möchte seinen Tauchkurs beginnen. Die Frage nach vorhergehender Erfahrung beantwortet er mit nein und ach ja, ‚ich bin auch nur eine Woche hier‘. Ihm wird das Buch in die Hand gedrückt und wenn der Tag noch nicht zu weit fortgeschritten ist, dann auch gleich die entsprechenden Videos (falls sie für den Kurs vorhanden sind). Die Wiederholungsfragen werden unmittelbar nach dem Video beantwortet und aus Zeitmangel wird auch oft mal gesagt, dass man sich die „Quick Quizzes“ an der Seite ansehen soll. Wenn man die nach dem Video beantworten kann, dann ist das ok und man braucht nicht das ganze Buch zu lesen, wenn nicht, einfach den entsprechenden Abschnitt im Buch nachlesen. Da gerade bei PADI die Antworten im Anschlusstest fast nur reine Auswahl der richtigen Antworten ist, ist die Chance recht hoch, dass das Ergebnis zufriedenstellend ausfällt

Ich geb es zu, ich habe meine Tauchschüler auch schon so geprept.

Die Frage ist, ob der Tauchschüler tatsächlich alles Notwendige im Langzeitgedächtnis abgespeichert hat.

Bei der Lektüre zu einem etwas anderen Thema – nämlich klassischer, instrumentaler und operanter Konditionierung – bin ich dann auf diese überaus ausführliche Seite gestossen und das Einleitungskapitel hat mich zu diesem Blog inspiriert.

Hier das Zitat:

The ideal way to use the study questions is to ignore them initially and read the chapter front to back like a story. Most students need to get started several days in advance and read one major section at a time, to avoid last minute cramming. Later on, use the study questions to make sure you are clear on the basic points of the chapter. Follow steps 1, 2 and 3 below.

After you have given yourself a chance to soak up the information naturally, then (and only then) use the study questions to check your comprehension. Follow this procedure:

What is the handy three-part technique for getting top grades?

1. Do not test yourself immediately after reading. Wait at least a minute. Turn your mind to some other subject. You must clear out short-term memory in order to determine whether you can retrieve information from long-term memory. <.....>

2. Take a blank sheet of paper and set the paper over the text column, so that you see only the column of study questions. This is important to assure the answers are not visible in your peripheral vision and also to eliminate contextual cues like headings that will not be present during a quiz.

3. With the text column covered, ask yourself each study question and see if you can discuss the answer intelligently from memory. If you cannot, repeat this three-part strategy, and do not be satisfied until you can go through the whole chapter doing this, answering the questions without looking at the text. Then you should get a top grade on the quiz, because the quiz items are based directly upon topics mentioned in the study questions.

Do not simply look back and forth between the study questions and the text column. That is an ineffective study technique, because if you look at the answer you will have it fresh in your mind, and you will always feel you know the answer when the material is fresh in your mind. The real question is whether you can answer the study question a minute or two after you have read the material and after you have taken your mind off it for a few minutes.

Are there people who can skip this advice and still do well?

Not everybody needs to do this. In every class there are a few students who read a chapter once, understand it, and get a high grade on the test. This depends on the chapter. A student with a good biology background might do well after a single reading of Chapter 2 (…) but might need to read Chapter 5 (…) more than once. Students show large individual differences in judgments about which chapters were easiest or hardest, most interesting or least interesting. People vary in their tastes as readers as well as their ability to assimilate unfamiliar college-level material.

Aus der Seite Psych Web von Dr. Dewey

Für solche Studenten, denen das Wissen nicht sofort zufliegt, ist seine Schlussfolgerung, dass man eine neues Thema dreimal studieren sollte (intensiv durchlesen und nichts sonst), damit es verstanden wird und man es zu seinem eigenen Gedankengut macht. Und dies nennt es sein „Three Times makes Easy“.
In der ersten Stufe macht man sich mit der Thematik bekannt, aber es entsteht noch kein stimmiges Ganzes. Der Student sagt, ‚Ich hab das studiert‘, aber er kann noch keine Antworten auf die Wiederholungsfragen geben, wenn das Buch geschlossen ist.
Beim zweiten Durchlesen formen sich Verlinkungen. Einige Dinge beginnen Sinn zu machen. Der Student kann auf diesem Level isolierte Antworten geben, die korrekt klingen, aber er kann sie nicht diskutieren, was sie in einem grösseren Kontext bedeuten.
Beim Dritten Durchlesen wird alles klar. Oft erscheint es in der Rückschau als einfach oder selbstverständlich. Ein Student auf diesem Level fühlt sich mit dem Material vertraut und könnte es einem anderen Studenten beibringen.

Alles was notwendig ist, um Lernen einfach zu machen, ist das dreimalige Lesen.

PADI hat dieses Dilema augenscheinlich gelöst, in dem sie das Wissen via Video, Textbuch und praktischer Wiederholung anhand von Wiederholungsfragen, Abschlusstest und den praktischen Anwendungen in und am Wasser anwendet. Überdies verpflichten sie zum Kauf des Buches. Aber ist es der richtige Weg und hat der Student auch alles wirklich verstanden und absorbiert?

In Erinnerung ist mir auch mein Blog über das Lernen gekommen, in dem ich über ähnliche Mechanismen der Kompetenzstufenentwicklung geschrieben habe.

Meine Bitte an alle, die Lernen wollen. Nehmt euch die Zeit dafür.

Immer gut Luft
Christine
PS: Die Idee für diesen Beitrag kam übrigens zustande, weil ich im Lernen bin, wie ich meine Hunde am besten trainieren kann, da offensichtlich kein grosses Angebot an guten Trainern hier in meiner Gegend besteht.

Bullenhai – meine 3. aktive Saison

Vor 6 Jahren habe ich meinen ersten Bullenhai hier in Playa gesehen, doch erst die letzten Jahre bin ich bewusst auf die Suche nach der Begegnung mit Bullenhaien gegangen, als ich gelernt hatte, dass sie alljährlich zwischen Dezember und Februar in flache Gewässer aufsteigen.

Bullenhai, Playa del Carmen
Bullenhai
Die Bullenhaie sind bei uns das ganze Jahr, was technische Taucher bestätigen, die im Sommer Tieftauchgänge auf 60+ Meter machen, denn oft werden sie von Bullenhaien und ganz selten auch von Hammerhaien umkreist. Die Begegnung mit einem Hammerhai steht noch aus und ich freue mich besonders auf dieses Ereignis.

Fasziniert bin ich von Haien schon seit vielen Jahren, seit meinen ersten Tauchgängen im Meer war klar, dass der Wunsch auf Haisicht immer an oberster Stelle stand. Und immer waren sie etwas besonders, manche Begegnungen werden auf ewig in meinem Gedächtnis eingebrannt sein – und nicht, weil ich Angst hatte, sondern weil es ein absolut einzigartiges Erlebnis mit der Natur ist.

Über die Bullenhaie und Haie im allgemeinen werden viele Gerüchte verbreitet und Wahrheiten verfälscht, so möchte ich mit einigen der gängigsten und kürzlich gehörten Irrtümer aufräumen.

1. Bullenhaie sind die gefährlichsten Haie und greifen wie der Weisse Hai Menschen an.

Menschen stehen nicht auf der Speisekarte von Haien. Wenn Unfälle mit Haien passieren, ist es oft ein Zusammentreffen von mehreren Umständen, oft ist Futter im Wasser, die Sicht ist trüb, die Personen reagieren falsch.

Bullenhaie sind bekannt dafür, dass sie in Süsswasser überleben können, sprich Flussmündungen, die ins Meer münden. Viele grosse Flüsse unserer Erde werden von den Anwohnern immer noch dazu genutzt, um ihre tägliche Wäsche zu waschen, im Wasser stehend zu angeln oder ähnliches. Ein Hai, der in die Enge getrieben wird und keinen Ausweg sieht, kann aus dem Flucht-und Überlebenstrieb heraus beissen oder es ist ein sogenannter Testbiss, weil sie nicht wissen, was sie vor sich haben. Davon abzuleiten, dass die Haie uns jagen, ist purer Unsinn.

Bei Hai.ch steht:

Trotz allem ist ihre Gefährlichkeit jedoch zu relativieren, denn zwischen 1995 und 1996, gab es weltweit nur gerade einen verbürgten und einen zweifelhaften Unfall mit diesen Tieren. Begegnet man diesen Tieren, fällt auf, dass sie oftmals direkt auf den Taucher oder Schnorchler zuschwimmen, etwas, was bei Riffhaien meist nicht der Fall ist (abgesehen von tauchergewöhnten oder angefütterten Tieren). Diese, meist einschüchternde Annäherungsweise, wird durch eine geringe Fluchtdistanz unterstrichen. Dabei entsteht meist auch ein Gefühl von diesen Haien „angestarrt“ zu werden, etwas, was zwar denn meisten Grauhaien nachgesagt werden kann, bei Bullenhaien aber durch die sehr kleinen Augen unangenehm auffällt.

Und nichtzuletzt bei Sharkproject.org diese überaus klare Klarstellung (sorry, für das doppelt gemoppelt, aber Danke, Danke, Danke an Sharkprojekt):

Die ISAF Attackenstatistik nach Arten zeigt es deutlich. In einer Liste von 39 Haiarten, die Menschen attackiert haben, führt der Weiße Hai deutlich mit 232 Attacken wovon 63 tödlich enden. Der zweite mit weitem Abstand ist der Tigerhai mit 86 Attacken und davon 28 Toten. Den dritten im Bunde bildet der Bullenhai mit 75 Attacken und 23 Toten. Weit abgeschlagen folgen dann Requiemhaie mit 30 Attacken und 8 Toten und Arten wie Sandtigerhaie, Schwarzspitzen-Riffhaie bis hin zum Hundshai, der mit einem unprovozierten Angriff die rote Laterne der Haistatistik bildet. Im Grunde eine klare Aussage, bei der nur nachdenklich macht, dass sie den Zeitraum von 1580 (sie haben richtig gelesen) bis 2006 umfasst. Dazu kommt die Einleitung zu der Statistik, die mehr oder weniger die Statistik selbst in Frage stellt, weil sie feststellt, dass die meisten Haiarten bei Unfällen überhaupt nicht zweifelsfrei identifiziert werden können und man überwiegend auf Berichte aus zweiter oder dritter Hand angewiesen ist.

2. Wenn die Haie um uns kreisen, dann checken sie uns aus, bevor sie angreifen.

Da ich eben diese überaus klare Erklärung von Dr. Erich Ritter auf Shark Info gelesen habe, möchte ich sie hier wörtlich zitieren.

Es ist ein Vorurteil. Haie kreisen nicht, um später zu attackieren, sondern um sich ein Bild davon zu machen, was sich da vor ihnen im Wasser befindet. Meinen eigenen vielen Beobachtungen zufolge ist es reine Neugier, und nicht verbunden mit einem Fressreiz. Das Kreisen ist entsprechend auch nicht mit dem Einkreisen von Beute zu verwechseln, sondern beruht darauf, dass die meisten Haiarten permanent schwimmen müssen, um zu atmen, denn diese Haiarten können das Wasser nicht wie Knochenfische aktiv an ihren Kiemen vorbeipumpen, um ihm den Sauerstoff zu entziehen. Bedenkt man weiterhin, dass sich der Schwimmer oder Taucher im Vergleich zum Hai meistens fast nicht bewegt, bleiben dem Hai nur zwei Verhaltensvarianten; entweder er kreist oder schwimmt in Form einer Acht – in einer Auf- und Abwärtsbewegung – vor dem Objekt des Interesses hin und her. Kreisen hat den Vorteil, dass der Hai nicht ständig die Schwimmrichtung ändern muss und dennoch in konstanter Entfernung bleiben kann. Befindet sich das Objekt allerdings nicht im freien Wasser, sondern zum Beispiel in einem Riff, kann er es nicht umkreisen, da sonst der Augenkontakt unterbrochen werden könnte. In diesem Fall wird der Hai in der Achterbewegung vor dem Schimmer oder Taucher hin und her schwimmen. Dabei wird er jedoch immer darauf bedacht sein, das freie Wasser im Rücken zu haben.

3. Der Bullenhai heisst so, weil er wie ein Bulle eine grosse Menge Testosteron im Blut hat, welches ihn aggressiv macht.

Bei BR Online finde ich folgende Erklärung: *

Offiziell heißt er „Gemeiner Grundhai“ oder „Stierhai“, im täglichen Gebrauch hat sich allerdings die Bezeichnung „Bullenhai“ eingespielt. Ursache ist allein schon das bullige Äußere mit dem mächtigen Kopf.

Im Deutschen hat er auch den Namen Gemeiner Grundhai, Bullenhai oder Stierhai ist eine wortwörtliche Übersetzung seines englischen Namens Bullshark.

Jetzt weiss ich nicht, ob dies unter den 1. oder 3. Punkt gehört, aber ich applaudiere Tina Gstoettner, deren Beitrag ich aus einem Forum bei Sharkproject.org kopiert habe:

Ein Wort zum Anthropomorphismus
Wer kennt nicht den Ausdruck der böse Wolf, der schlaue Fuchs oder die dumme Gans? Alle drei Ausdrücke haben etwas gemeinsam: Anthropomorphismus – das Hineininterpretieren menschlicher Gefühle in die Erscheinungsweise eines Tiers. Zwar weiss jeder, dass es sich bei den obigen Bezeichnungen nur um Ausdrücke handelt, und dass der Wolf nicht wirklich böse ist oder die Gans dumm, aber Anthropomorphismen haben sich in einem ähnlichen Rahmen auch in der Wissenschaft eingeschlichen und machen gerade das Beschreiben von Tierbewegungen oder „Erscheinungsbildern“ teilweise schwierig. Oft sind Studenten oder auch angesehene Wissenschaftler nicht in der Lage, das Verhalten eines Tiers neutral zu beschreiben, und haben teilweise mehr als nur die Tendenz, tierische Verhaltensweisen mit menschlichen Gefühlen zu umschreiben. Damit weiss dann zwar jeder, was gemeint ist, doch ist eine solche Beschreibung nicht korrekt. Einer unserer beliebtesten Sätze, wenn wir mit Studenten über dieses Thema diskutieren ist, dass wenn ein Wissenschaftler von einem aggressiven Hai spricht, man seine Expertise nicht ernst zu nehmen braucht. Denn der betreffende Forscher ist scheinbar nicht in der Lage, das gesehene Verhalten objektiv – ohne eigene Emotionen – beschreiben zu können und entsprechend hat er seine Hausaufgaben nicht erledigt. In einer eher bissigeren Note lassen wir unsere Studenten dann aber auch wissen, dass jemand, der einen Hai als aggressiv bezeichnet sicher keine Erfahrung mit diesen Tieren haben kann, ansonsten er keinen Ausdruck bräuchte, der wissenschaftlich für diese Tiere noch nie definiert wurde. Ganz allgemein haben wir grosse Probleme mit diesem Wort, wenn man es im Zusammenhang mit einem wilden Tier verwendet. Natürlich werden nun viele sagen, dass sie ebenfalls schon einen aggressiven Hai gesehen hätten – doch ist dem wirklich so? Wir glauben, dass noch nie jemand einen Hai gesehen hat, dessen Verhalten wirklich diese Emotion darstellte. Ein als aggressiv bezeichneter Hai ist entweder ein Hai, der eine erniedrigte Annäherungshemmschwelle hat etwas Neues auszukundschaften und es schlussendlich vielleicht mit einem Biss auch tut, um herauszufinden, was es ist. Oder es ist ein sich „normal“ verhaltender Hai, dessen innerer Kreis (siehe weiter unten) geringer ist, als bei einer – für den Taucher – bekannten Art. Diese beiden Beschreibungen scheinen zwar wenig aussagekräftig, doch geben sie Hinweise darauf, warum ein Hai für einen Menschen aggressiv erscheinen kann.
Einen Hai als aggressiv zu sehen, reflektiert die Grundeinstellung, die eine Person gegenüber Haien hat. Bereits in den späten 1920er Jahren sagte der Philosoph Betrand Russell, dass Tiere sich immer so verhalten werden, dass sie die Ansichtsweise des Beobachters bestätigen werden. Und auch der Nobelpreisträger Konrad Lorenz hat um 1960 etwas sehr ähnliches gesagt. Dass nämlich niemand, der ein Tier nicht wirklich liebt, die Geduld haben wird, sich so lange hinzusetzen, wie es notwendig wäre, um das Tier auch wirklich zu verstehen (und entsprechend eben die Grundeinstellung früher oder später in einer Beschreibung zum Tragen kommen wird). Wir möchten an dieser Stelle nicht sagen, dass man Haie lieben muss, um sie in den Grundzügen zu verstehen, aber wir sind ebenfalls der Überzeugung, dass Menschen, die diesen Tieren eher furchtsam, ekelerregt oder in Panik gegenübertreten, ein entsprechendes Verhalten eher sehen und in das Tier hineininterpretieren als jemand, der diesen Tieren gegenüber ohne Vorurteile ist. Natürlich kennen wir auch hier diejenigen Leute, die uns nun sagen würden, dass sie keine Angst vor Haien haben, aber dennoch einen aggressiven Hai sahen. Was sagen wir denen? Sofern sie uns Bilder oder Videoclips zeigen konnten waren es immer die bereits erwähnten Hemmschwellen des Hais, die erniedrigt wurden oder das Vorhandensein eines geringeren inneren Kreises, aber keine Aggression. Dort, wo keine Dokumente gezeigt wurden, müssen wir wohl oder übel mit der alten Idee leben, dass Haie und ihre Verhaltensweisen immer grösser und bedrohlicher werden, je weiter das tatsächliche Ereignis zurückliegt. Schlussendlich sollte man aber nicht vergessen, was Aggression eigentlich bedeutet. Das Wort stammt vom lateinischen aggredi ab und bedeutet Angreifen. Etwas, was wohl in den wenigsten Fällen im Zusammenhang mit Haien und Menschen je geschehen ist.
Trotz dieser Bemerkungen sind wir uns sicher, dass aggressive Haie – so lange Menschen mit Haien interagieren – in den Medien und Tauchergeschichten Platz haben werden. Es ist uns allerdings ein wichtiges Anliegen, dass wir zu lernen beginnen, dass nicht alles, was so scheint, auch tatsächlich so ist.

….Fortsetzung folgt, ich weiss, dass ich dieses Jahr viele Male mit den Bullenhaien tauchen werde.

Höhlen und Fossilien

Diese Woche habe ich die Gelegenheit gepackt; ein Höhlentauchdate ist geplatzt, weil mein Tauchpartner Behördengänge erledigen musste (ja! das gibt es auch in Mexiko). So habe ich kurzentschlossen einen Bekannten kontaktiert; eigentlich machte ich mir nicht allzu viel Illusionen, dass er tatsächlich Zeit hat und auch dass er das wahrmacht, was er seit langem schon zu mir sagte: nun, ich hab mich zweimal überraschen lassen – nein dreimal: 1. er konnte; 2. er hat auch nicht kurzfristig abgesagt und 3. die Höhle war einfach gigantisch.

Wir sind im System Sac Actun getaucht, jedoch im Eingang von Cenote Calimba / Colimba / Kalimba (es existieren verschiedene Schreibweisen).

Der Tauchgang kann man in Backmount tauchen, jedoch gingen wir sidemount, was teilweise hiess, dass wir seitlich tauchen mussten, weil nach oben war noch Platz, aber links und rechts kamen die Formationen sehr nah. Die Höhle hat mehrfache Tiefenwechsel von 5 auf 12 Meter und macht es auch daher interessant, weil die Tunnelwände nicht sehr weit ausstreben und wie typisch für Sac Actun das Gestein und die Formationen sehr weisslich sind.

Cenote Calimba - Fossiliertes Skelett

Das beeindruckendste Erlebnis war jedoch ein fossiliertes Skelett, das Luis (mein Buddy für diesen Tag – DANKE) mir zeigte und von welchem er sagte, es wäre von einem Riesenfaultier. Hier gibt es Bild und Beschreibung auf Wikipedia – Riesenfaultiere konnten bis zu 6 Meter gross werden, die Wirbel und die Rippenbögen dieses Tieres lassen es auf Grizzly- Grösse vermuten. Das Fantastische war, dass dieses Skelett offensichtlich schon sehr lange dort ruht und mindestens eine trockene Periode der Höhle mitgemacht hat, weil es komplett mit dem Stein verbunden ist und auch selber versteinert ist, die Trockenperioden sind in den Kaltzeiten in einem Eiszeitalter, wenn der Meeresspiegel und somit der gesamte Grundwasserspiegel deutlich und über lange Zeit abfällt; es muss es älter ca. 20.000 Jahre sein, ich meine mich zu erinnern, dass Luis sagte, die Archäologen hätten es auf 60.000 v.Chr. datiert.

Christine
die sich freut, weil es viele neue Höhlen zu sehen gibt und der Sommer mit weniger Arbeit da ist

Grossaugen- Krötenfisch

batrachoides-gilberti-kl.JPG
Batrachoides gilberti, aus der Familie der Krötenfische.

Dieses Foto wurde an unserem Riff Barracuda aufgenommen, ich weiss gesichert von einem weiteren Exemplar, welches ich bei vielen Tauchgängen immer in seinem Loch antreffen kann und einen dritten habe ich einmal in einem Loch auf 30 m in Moc-che Tief gesehen.

Das sagt mein Bestimmungsbuch dazu:

Häufigkeit und Verbreitung: Selten im Bereich der Karibischen Küste von Zentralamerika (Belize- Panama). Nicht nachgewiesen in der restlichen Karibik

Lebensraum und Verhalten: Bewohnt flache Hafengewässer, Mangrovenlagunen und Öffnungen von Buchten; gelegentlich in Riffe. Kann in Süsswasser eindringen. Liegt häufig bewegungslos in seinem Schlupfwinkel, nur der Kopf schaut daraus hervor.

Ich bin glücklich und weiss, nur wen man eine Ahnung über das Vorkommen und Verhalten von Fischen hat, fällt einem natürlich auf, wenn etwas ungewöhnlich ist. Alles in allem, eine kleine Sensation, denn es bedeutet, dass ich einen sowieso sehr seltenen Fisch eine Verbreitung nördlicher als allgemein bekannt nachgewiesen habe. Ich glaub, ich werde das mal melden.

Das PADI Specialty Project AWARE Fish- ID, eignet sich hervorragend, Grundlagen zum Erkennen der verschiedenen Fischarten zu legen. Preis bis 15.12.2009 um 10% reduziert und mit unserer einmaligen Foto-CD, Fischbestimmung nur 126 USD.

Christine

Walhai II

Heilig- Drei- König, mein Tag, mein Glückstag!
Heute eine Email bekommen, dass eines meiner Walhai- Fotos einem bereits registrierten Tier zugeordnet werden konnte.

Es gibt mehrere Bestrebungen, das Verhalten dieser Riesen zu erkunden, wohin sie ziehen, wie sie sich fortplanzen. Es gibt vieles, was noch unbekannt ist. Die Wege, die diese Tiere über das Jahr zurücklegen, können helfen, etwas mehr darüber zu lernen.

Die Datenbank von Ecocean.org hat eine Fotoerkennunssoftware anhand derer man Walhaie differenzieren kann. Das funktioniert ähnlich wie bei Fingerabdrücken, hier sind es nur die weissen Zeichnungen/ Flecken hinter den Kiemen an den Flanken sowie Narben und Einrisse an Flossen oder Körper.

Einen kleinen Beitrag konnte ich leisten und ich hoffe, viele Taucher sehen viele Walhaie und schliessen sich diesem Projekt an.

Mein Walhai kann hier gesehen werden.

Christine
Walhai- Fan

PS: Speziell an Johann und Brigitte: Nicht mal mehr 150 Tage bis ihr eure Chance auf Walhai bekommt. Freut euch darauf!

Mare Nostrum

faroer.jpg
Kürzlich wurde mir eine Mail zugeschickt, die einige sehr schockierende Bilder über die Färöer zeigt und ihre Fangmethoden zum Schlachten von Grindwalen. Die Mail bestand vorwiegend aus Bildern und einigem Text, der meiner Meinung nach mehr im Stil einer „Bild-Zeitung“ geschrieben war. Schreiende Headlines und Pauschalisierungen. Die Bilder waren jedoch aufrüttelnd genug und ich habe etwas im Netz geforscht.

Ich denke, jeder Mensch hat dazu eine Meinung. Ich bin absolut gegen solche „Traditionen“, weil
a) die Färöer in früherer Zeit vielleicht mit 10% der derzeitigen Bevölkerung besiedelt waren
b) die Fangmethoden zwar reglementiert sind, aber moderne Technik im Sinne von Motorbooten, Mobiltelefonen etc zum Einsatz kommen und auch die erhöhte Anzahl von teilnehmenden Menschen im Vergleich zu früher
c) die geographisch abgeschiedene Lage der Inseln, die früher notwendig machte, autark zu sein, im heutigen Zeitalter nicht mehr gegeben ist
d) die Ernährungssitatuation- notlage ergo auch anders gelöst werden könnte.
e) wer, aufgrund von Traditionen meint „schlachten“ (in grossen Zahlen Tiere töten) zu müssen und vergessen hat, warum eine Handlungsweise früher begründet war aber durchaus heutzutage nicht mehr notwendig ist, einfach ein Barbar ist.

Um sich selber so objektiv wie möglich zu informieren:
Über die Färöer allgemein
Wie die Färöer es sehen
Zeit, in Aktion zu treten, Petition gegen Grindwaljagd

Ich habe unterzeichnet, 20.11.2008, Nummer 13919. Bitte unterschreibt die Petition und bitte mailt diesen Link an so viele Leute wie möglich. Ich habe weder bei Greenpeace noch anderen Umweltschutzorganisationen Aktionen dagegen gefunden – wir wissen um die Japaner und ihre zweifelhafte Einstellung zu Walen, die zu „wissenschaftlichen “ Zwecken gefangen werden, aber dies war mir zumindest unbekannt.

Christine
die schon so lange keine Delfine geschweige denn andere Kleinwale oder sonstige Wale gesehen hat

Leben in den Cenoten

So mache ich es also!

Ich lade meine Fotos bei Flickr hoch und jeder, der sich in Fischbestimmung auskennt, kann einen Kommentar dazu abgeben. Ich bin darauf angewiesen, dass so viele Leute wie möglich mir helfen, denn mein Wissen über Süsswasserfische ist sehr rudimentär. Ich besitze mein erstes Buch über Höhlenfische und werde in nächster Zeit auch noch weitere Bücher erhalten. Bis die jedoch in Mexiko eintreffen, kann das dauern.

Das ist der Fotostream.

Auch wenn die Hochsaison vor der Tür steht, bin ich zuversichtlich, dass ich öfters Tauchen gehen kann und mal wieder ausgiebig die Höhlen geniessen kann. Dieses Jahr war es leider auch nicht so oft möglich, wie ich es mir gewünscht hätte, aber noch ist das Jahr nicht vorbei!!

Christine
die sich schon auf das nächste Mal Cenote freut

Bullenhai

Carcharhinus leucas, aus der Familie der Menschenhaie, (engl.: bullshark, span.: tiburon torro)

Im Winter 2006 war ich mit meinen Freunden auf der Suche nach dem idealen Tauchplatz (im 30m Bereich), um die Bullenhaise zu sehen. Nach drei Wochen Aufenthalt konnte ich Brigitte und Johann wenigstens ein kurzes Intermezzo Hai – Schildkröte am Tauchplatz Tortuga bieten.

Winter 2007: Offensichtlich gibt es in Playa del Carmen einen „shark point“ nun. Ich bin jedoch in der aktiven Phase nicht dort gewesen. Gerüchte gehen um, von Haifütterungen, Anlocken mit Futter beim Tauchgang, Tauchguides mit Harpunen. Ich weiss nicht, ob ich sauer sein soll oder happy, dass ich nicht hinkomme. Sauer, weil Haie sind so genial und vor allem die Bullenhaie sind eindrücklich. Das ist nichts Kleines, Zierliches, das Abstand hält und in Schulen schwimmt und sich nicht um die Umwelt kümmert. Dieser Hai ist massiv, warum heisst die Familie eigentlich Menschenhaie? Er ist neugierig, schwimmt nahe über Grund und hat keine Scheu, direkt auf die Taucher zu zukommen und kurz vor einem abzudrehen.

Dann bin ich doch froh, dass ich nicht dort war, denn das ist genau so wie Putzergarnelen, Gelblinien- Pfeilkrabben oder Halskrabben auf die Hand zu nehmen. Kann man nicht Taucher dazu „erziehen“, eine Begegnung unter Wasser – egal mit welchem Lebewesen – natürlich ablaufen zu lassen? Wir sind doch keine Kleinkinder, die alles mit den Händen anfassen müssen und erst recht sind wir nicht im Streichelzoo. Ist es wirklich so, dass der Durchschnitts- Taucher das Aussergewöhnliche der Situation erst realisiert, wenn man mit dem Finger darauf hält? Eine äusserst unsensible Interaktion mit der Unterwasserwelt, die mich sehr an meinen Zoobesuch mit meinen Patenkindern erinnert.

Meine Bullenhaibegegnungen über die Jahre hier waren rar und immer kurz. Dennoch möchte ich sagen, dass ich mehr Kenntnisse über Haie habe, als so manche andere, denn auf den Malediven waren sich zu meiner Zeit noch „alltäglich“. Auf die Frage: „Sind Haie gefährlich?“, kann ich mir Überzeugung antworten: „Nein!“

Ich will das anhand meiner neuesten Begegnung beschreiben:

Es ist Mitte September, in keinster Weise Haizeit, in meinem Briefing erwähne ich mit keinem Wort Haie und wie interagieren, denn es ist einfach unwahrscheinlich. Ich erzähle über die Schildkröten und wie man sich am besten ihnen gegenüber verhält und wie der Tauchgang an Tortugas und Sabalos zu einem echten Genuss für uns alle wird und schon geht es los.

Die Strömung ist schwach, die Sicht ist dafür ungewöhnlich gut. Wir sind an unserem zweiten Tauchplatz, Sabalos, Wassertemperatur 29°C, keine Welle, Dünung und nur minimale Strömung. Ich konzentriere mich auf das Riff, schaue auf die kleinen Details und nach den ersten knapp 20 min eines sehr entspannten Tauchgang, bekomme ich auf einmal ein nicht zu ignorierendes Signal einer meiner Taucher. Tapp, tapp, tapp, auf meiner Schulter, schau mal auf die Seite. Ich sehe eine Schule recht grosser silberner Fische (ich war doch zu aufgeregt, dass ich im nachhinein noch genau sagen konnte, welche Fische das waren). Jedenfalls stehen so an die 200 Fische zusammen in einem Kamin nach oben wie die Sardinen im „Sardine Run“ in Südafrika. Rotierend und ganz eng zusammen, um als Individuum mit der Menge zu verschmelzen und keine Angriffsfläche für den Jäger zu bieten. Meine Taucher sind von diesem Anblick schon hingerissen, weil es wirklich genial aussah und ich denke mir gleich: „Da ist doch was los! Was passiert hier?.“ Ich schaue nach vorne und sehe schon um die Gruppe rum drei Bullenhaie kreisen. Eigentlich waren es vier, wie mir dann andere Taucher berichteten, aber der Ehrlichkeit halber kann ich nur von drei zur gleichen Zeit berichten.

Die drei Haie kreisen um die Fischschule in einem Abstand von einigen Metern und kommen uns auch immer wieder nahe. Die Strömung ist so schwach, dass ich meiner Gruppe Zeichen geben kann, auf den Boden zu kommen, zwei Finger in den Sand und sich leicht festhalten, damit wir dieses einmalige Schauspiel länger ansehen können. Dass sich einer von ihnen dreht und aufrecht in der Stömung steht, gerade wie ein Hai relativ nahe kommt, ist vielleicht mir augefallen. Ich bedeutete ihm, runter flach machen, denn mit dieser Geste demonstriert man einfach seine Präsenz und will dem Hai auch klar machen, dass er zu nahe kam. Aber es ist nicht nötig, denn meiner Ansicht nach waren sie klar an den Fischen interessiert und nicht an uns Tauchern, das ist, was sie in erster Linie hier hergebracht hatte. Drei Minuten dort hängend, und dann sehe ich leider eine andere Tauchgruppe kommend und der Guide schwimmt direkt auf die Haie zu. Für die Haie das Zeichen sich zurückzuziehen, auch das für mich eigentlich glasklar, das war ein aggresiver Akt der Taucher, die Haie haben sich nicht mehr so gefühlt, als ob die Natur ihnen gehört, sondern sie wurden gestört und deshalb haben sie sich entfernt. Wir heben uns also über die Sandfläche ab und driften mit der leichten Strömung weiter und können noch ein paar Minuten die Haie sehen. Dann sind sie endgültig wieder Richtung Tortuga ins tiefere Wasser verschwunden.

Winterzeit ist Bullenhaizeit. Sowas wie ich gesehen habe, kann ich keinem versprechen, das war ein Tauchgang unter 3000. Aber die Chancen sind gegeben und wer immer noch nach einem Grund sucht, nach Playa del Carmen zu kommen, kann ja dies als Anlass nehmen.

Anfragen wie immer per e-mail an Christine bei MareNostrum.ws.

Christine
Hai- Fan

Halskrabbe

Nun muss ich mich wirklich mal beschweren! Da gibt es im Pazifik Geisterfetzenfische, die so fantastisch sind, wie der Name schon andeutet.

Nach fast vier Jahren Tauchen in der Karibik entdecken wir eines Tages an einem altbekannten Riff ein kleines Tierchen und dann heisst die Krabbe schlicht Halskrabbe. Das ist doch im Vergleich recht erbärmlich, oder? Anders aber, wenn man sich dieses Tier näher ansieht – sofern man es findet. Es ist Meister der Tarnung.

Podochela sp. ist angeblich häufig in der Karibik anzutreffen, sie tarnt sich nur so genial, weil sie Hydroidpolypen und andere Organismen an die Beine anheftet. Im Video seht man die erste Krabbe (auf Sand) mir relativ wenig Dekoration, wohingegen die anderen so geschickt mit der Umgebung verschmelzen, dass man ohne Probleme vier Jahre daran vorbeischwimmen kann.

Ich bin einfach begeistert, was die Natur demjenigen zu bieten hat, der etwas Ausdauer zeigt.

Fundort, beste Fototechnik verrate ich gerne. Bis bald

Christine