Macht Tauchen in der Höhle sicherer.

Ok, ich muss das unbedingt mir von der Seele schreiben. Therapeutisches Schreiben für mich? Vielleicht, aber hoffentlich auch ein Anstoss an viele, die vielleicht schon mal in ähnlichen wie den beschriebenen Situationen waren oder sowas selber in Zukunft mal so geplant hätten.

Juli 2011
Ein zertifizierter Höhlentaucher, der in Urlaub hier ist und bisher wenig Erfahrung in Höhlentauchen hat und auch nur geringe Ortskenntnisse, nimmt einen Freund, der als PADI TecRec Instructor zertifiziert ist, auf einen 2-stündigen Höhlentauchgang nach Ponderosa. Dieser Freund ist das zweite Mal in Playa del Carmen und hat keine Höhlenausbildung. Am folgenden Tag gehen beide noch einmal Höhlentauchen, diesmal nach Grand Cenote. (01. und 02. Juli 2011)

Beide leihen ihre Tanks über einen ortsansässigen Höhlentauchlehrer. Der Vorfall wird mir bekannt, weil beide in der Vergangenheit mit mir getaucht sind und mit der Tauchschule assoziiert sind, bei der ich damalig gearbeitet habe.

Beide überleben.

Februar 2014
Eine als Intro-to-Caver zertifizierte Taucherin reist in einer Gruppe zertifizierter Höhlentaucher nach Mexiko und sie machen während ihres zwei-wöchigen Urlaubs täglich sehr komplexe Tauchgänge, die auch Navigation erfordern und die Taucherin taucht mit, weil die anderen ja die Jumps übernehmen.

Sie überlebt.

Im Dezember 2014 kommt diese Taucherin dann zurück, um ihren Höhlentauchschein zu vollenden und ich erfahre überdies mehr Details über ihre recht mangelhafte Intro-to-Cave Ausbildung.

Mai 2014
Fast identische Story, diesmal ein Intro-to-Cave zertifizierter Taucher, der mit einem zertifizierten Höhlentaucher komplexe Tauchgänge während ihres Urlaubs hier in Mexiko unternehmen.

Beide überleben.

Der Intro-to-cave Taucher nimmt seine Frau, die wie er als Rebreather-Taucher zertifiziert sind, auf Tauchgänge mit, die angeblich im Cavernbereich waren. Der Taucher hat keine weiteren Ortskenntnisse und kennt teilweise nicht einmal die entsprechenden Cavernleinen.

Beide überleben.

August 2014
Während der Ausbildung zum Höhlentaucher, entschliesst sich mein Student in Backmount zu einem Solotauchgang in Cenote Minotauro (diese Höhle hat keine Grotte). Seine saloppe Einstellung zu Sicherheitsfragen und andere Punkte (das wäre ein vollkommen neuer Blogbeitrag) sind der Grund, dass ich ihn nicht zertifiziere.

Er überlebt (auch meine Strafpredigt danach).

Februar 2015
Am Tauchplatz Grand Cenote komme ich mit zwei Tauchern ins Gespräch, die mich nach Tips für ihren zweiten Tauchgang fragen. Nach einem kleinen Kennenlernen, weise ich sie darauf hin, dass ein in Deutschland zertifizierter Cavern-taucher nicht darauf vorbereitet ist, von der Cavernleine einen Jump auf die Höhlenleine zu machen und darauffolgend einen Tauchgang strömungsaufwärts. Ich empfehle ihnen für den zweiten Tauchgang an der Cavernleine zu bleiben. Die Taucherin ist in der Vergangenheit schon mit Doppelgerät getaucht und wie gesagt zertifizierter Grottentaucher, ihr Freund als Höhlentaucher zertifiziert und auch Sporttauchlehrer. (18.02.2015)

Beide überleben.

Ich bekomme später die Gelegenheit, ihr den Intro-to-Cave Kurs zu unterrichten.

März 2016
Ein im Vorjahr als Höhlentaucher zertifizierter Taucher kommt wieder mit seiner Freundin; diese hatte im Vorjahr aus persönlichen Gründen (mir bekannt) auf eine Ausbildung zum Höhlentaucher verzichtet. Dieses Jahr nimmt der Höhlentaucher in Unkenntnis des Tauchplatzes und weil er Geld für einen Guide sparen wollte, sie in Sporttauchausrüstung auf einen Höhlentauchgang.

Beide überleben.

Während ich diese mir persönlich bekannten und in meinem Umfeld passierten Vorfälle, die ja alle keine Unfälle darstellen zusammenschreibe, fangen meine Hände das Zittern an. Mir ist schlecht und in meinem Kopf gehen all diese Gedanken quer rum. Hier manifestiere ich das schale Gefühl, welches ich bei jedem einzelnen dieser Vorfälle hatte; bei allen den mir gekannten Vorfällen habe ich reagiert und versucht, die Taucher von ihren Vorhaben abzuhalten und sie aufzuklären, welches Risiko sie eingehen und dass es das einfach nicht wert ist.

Es ist nichts in der Höhle, das es wert ist, es anzusehen und mit seinem Leben zu bezahlen.

Wenn wir die Unfallanlalysen ansehen, werden wir feststellen, dass Unfälle nicht passieren, weil die Höhlendecke einstürzt (meines Wissens nur zwei dokumentierte Unfälle von Explorern, die dadurch in der Höhle verstorben sind). Unfälle im Höhlentauchen passieren, weil man die seit vielen Jahren bekannten Ursachen, warum Unfälle passieren einfach ignoriert.

Grund Nummer EINS, warum Unfälle in der Höhle passieren ist, dass der Taucher keine formale Ausbildung im Höhlentauchen hatte, bzw. das Limit seiner Ausbildung überschreitet bzw. seine Fertigkeiten nicht aktuell gehalten hat, weil er nur sporadisch in der Höhle taucht.

All diese Faktoren sind bei den oben genannten Vorfällen vorhanden und nun frage ich meine Leser, wie lange sollen wir das aktzeptieren?

Hier geht es nicht darum, dass ich als Tauchlehrer oder ortsansässiger Guide mehr Geld verdienen will.

Hier geht es darum, dass ich vor Angst mir fast in die Hosen scheisse, weil mir selber persönlich nun schon so viele Vorfälle bekannt sind, dass es statistisch gesehen nur eine Frage der Zeit ist, bis der erste Taucher, den ich persönlich kenne (und vielleicht sogar trainiert habe) tödlich in der Höhle verunglückt oder selber an einem Unfall in unseren Höhlen hier beteiligt ist.

Liebe Leute, das ist keine Schwarzmalerei, im selben Zeitraum sind alleine hier in der Riviera Maya mehrere tödliche Unfälle im Cavernbereich passiert:
* Schnorchler (ohne Freitauchausbildung) in Dos Ojos beim Versuch des Durchtauchens von West nach Ost ertrunken
* Chac Mool Cavernguide mit zwei Sporttauchern offline in die Höhle und alle drei tot
* Kalimba, Höhlentaucher, solo dive – tot
* Schnorchler Mayan Blue – in den Überhang getaucht – tot
* Dos Ojos – Cavern Solo in Sporttauchausrüstung – tot
* Cenote Muchacho – Höhlentaucher mit medizinischer Vorgeschichte nach Trennung von der Gruppe und durch daraus resultierendem Stress an Land verstorben
* Calavera, Cavernguide verliert 3. Taucher der Gruppe, der später im Höhlenbereich gefunden wird – tot
* Touristin mit ihrem Schnorchelguide beim Schnorcheln ausserhalb der Öffnungszeiten der Cenote tödlich verunglückt (wegen Dunkelheit?)

Ich würde mir wünschen, dass dieser Beitrag überall geteilt wird und diskutiert wird und bitte sagt mir eure Meinung dazu, die Diskussion ist eröffnet und ihr könnt mir gern eine private Nachricht an Christine Loew schicken

Macht Tauchen in der Höhle sicherer. Macht mit.

Christine

(Beitrag wurde editiert und ein Vorfall und ein weiterer Unfall hinzugefügt.)

Flashmob

Als Flashmob bezeichnet man eine Gruppe von Personen, die sich für den Aussenstehenden scheinbar zufällig zusammenfinden und eine Aktion durchführen.

Anfang Juni 2013 haben sich 16 Taucher aus insgesamt 11 verschiedenen Nationen einem Aufruf von HP Hartmann folgend in einer Cenote hier in der Riviera Maya zusammengefunden und ich war auch dabei. Das Ergebnis kann man hier als First Ever Cave Diving FlashMob ansehen.

Selbst mehrere Wochen später klingt dieser Tag immer noch in mir nach als einer der Highlights des Jahres 2013; und dies wird auch noch lange anhalten. Als Höhlentaucher kenne ich die Vielfältigkeit und Schönheit der unterschiedlichen Systeme hier und geniesse dies mit jedem Tauchgang. Es ist aber gar nicht so einfach, jemandem diese Schönheit zu erklären und vor allem auch die oft gehörte fälschliche Vorstellung von dunklen und engen Höhlen zu übermalen. Selbst gute professionelle Fotos oder Videos zeigen immer nur einen begrenzten Ausschnitt. In diesem Video sind mehrere Elemente vereint, die die Perspektive erweitern. Zum einen natürlich die grosse Anzahl von Tauchern, die mit Steve während des Tauchgangs zusammentreffen und auf dem Höhepunkt sich alle gemeinsam auf dem gleichen Kurs befinden. Alle Lampen zusammen strahlen die Höhle aus und die Dimension dieses enorm grosse Tunnels wird auch auf dem 2-dimensionalen Medium fassbar. Darüber hinaus waren einige von uns zusätzlich auch mit extrem starken Videolichtern ausgestattet. Ein überaus effektiver Trick ist das synchrone Schwenken unserer Lampen, mit dem wir eine Dreidimensionalität in das Video bringen, die ich sonst so noch nicht gesehen habe. Der Effekt, dass die Taucher zuerst angeleuchtet sind und dann als Silhouette vor der erleuchteten Höhle stehen und dies im Wechsel, ist einfach gigantisch. Selbst die Verzögerung, die man erkennt, bis alle Taucher in die Aktion einsteigen, erhöhen nur den Endeffekt. HP hat dieses Video in einem Durchgang geschossen und wie immer hat er schöne lange Kamerafahrten. Da er mit dem Scooter unterwegs war, konnte er schnell die Position wechseln und dies hat auch bei seinen Videofahrten am gesamten Team vorbei oder von der einen Seite der Höhle auf die andere geschickt ausgenützt. Kurzum, dieses Video ist dazu geeignet, jedem, auch den Ängstlichen, die Schönheit dieser unterirdischen und nicht für jeden erreichbaren Welt vorzuführen.

Für mich als Teilnehmer war dieser Tag besonders, weil es Spass machte, weil wir unter Freunden waren, weil es nicht ums Geldverdienen ging, sondern darum, einen schönen Tag mit Höhlentauchen zu geniessen und ihn mit Freunden und einem geselligen Zusammensitzen auch ausklingen zu lassen. Dies kann man ein bisschen im Making of Cave Flashmob sehen.

Und damit ihr seht, dass wir wirklich unglaublich Spass hatten, hier zum Schluss noch unser Harlem Shake:

Happy Diving
Christine

Reklamationsbearbeitung

diese Email habe ich als letze Massnahme, weil ich keine Idee mehr hatte, was ich sonst noch unternehmen könnte, am 19.09.2012 losgeschickt, darin wurde Fr. Tangerer direkt und der Verkauf von Camaro angeschrieben. Während eine Lesebestätigung aus dem Verkauf bereits am 03.10.2012 eintraf, habe ich heute von der email von Fr. Tangerer eine Lesebestätigung erhalten. Für eine Beantwortung meiner email oder Bearbeitung meiner Reklamation hat sich aber offensichtlich keiner zuständig gefühlt.

Kundenservice in seiner negativsten Ausprägung. NEIN zu Camaro
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Liebe Frau Tangerner,

wir hatten das Vergnügen uns in Düsseldorf 2011 anlässlich der Boot persönlich kennenzulernen und ich habe mich sehr gefreut, dass Sie mir damals die Möglichkeit gegeben hatten, mein Feed-back direkt auf Management- Ebene abgeben zu können.

Zur kleinen Erinnerung: Ich arbeite als Tauchlehrer in Playa del Carmen, Mexiko und gehe daher fast täglich tauchen.
Im März 2010 habe ich mir durch ihren Distributor für Mexiko, Azul Sin Limites (AsL), einen Camaro Neoprenanzug Hydronomic 7mm gekauft. Diesen habe ich ihm Wechsel mit einem Anzug einer anderen Marke getaucht.
Bereits nach kürzester Zeit gab es jedoch am Neopren extreme Verschleissspuren und auch das Neopren ist innerhalb weniger Wochen merklich geschrumpft.
Ich habe dies dann bei AsL reklamiert und den Anzug zurückgegeben, damit ich einen Austausch- Anzug erhalte. Damals war dafür noch H.r Peter Broger zuständig. Seinen Aussagen nach wäre das Problem von Camaro erkannt geworden, jedoch gäbe es Probleme mit der Liefersituation, so dass weder von Camaro Österreich noch USA in nächster Zukunft Anzüge zu erwarten gewesen wären. Auf der Messe im Januar 2011 habe ich mit Ihnen dann die Problematik besprochen und Sie haben mit mündlich den unbürokratischen Austausch des Anzugs zugesagt.
Mit dieser Information kam ich dann zurück und habe dies an Herrn Broger weitergeleitet, der jedoch immer noch sagte, dass die Liefersituation schlecht aussieht.
Seit Herr Broger nicht mehr mit AsL arbeitet, ist die Situation noch schlimmer geworden, da besagte Firma inzwischen vor Ort kein Lager mehr hat, die Mitarbeiter offensichtlich nur in Teilzeit arbeiten und weder auf Telefonate noch Emails reagieren. Die Zentrale von AsL in Guadalajara wurde von mir mehrmals angeschrieben und die Reklamation geschildert und ich habe mehrere Lösungsmöglichkeiten vorgeschlagen, jedoch kam auch hier nie eine Antwort. Immer wurde mir zugesagt, dass man mit der Geschäftsleitung spricht und wieder auf much zukommt und so zieht sich das dann das eine um das andere Monat hin. In Mexiko gehen alle Uhren sowieso langsamer und die Liefer- und Zollprobleme sind tatsächlich bekannt und ich war immer bereit, geduldig zu sein. Hier wird offensichtlich jedoch meine Gutmütigkeit ausgenützt.

Nun sehe ich auf der Internetseite von Camaro, dass für Mexiko kein Händler mehr genannt ist, offentsichtlich wurden die Probleme mit AsL richtig erkannt und die Geschäftsbeziehungen eingestellt. Was mache ich nun mit meiner unerledigten Reklamation? Gibt es von Ihrer Seite noch Möglichkeiten, auf die Geschäftsführer von AsL positiv einzuwirken, dass sie mir entweder mein Geld zurückerstatten oder mir erlauben, andere Waren mit gleichen Wert einzukaufen? Was können Sie sonst noch vorschlagen?

Bitte zögern Sie nicht, mich anzuschreiben, wenn Sie weitere Details benötigen, anbei die Rechnung und zwei Fotos der Schäden (ich habe noch mehr, jedoch wird die Datenmenge zu gross). Ich bedanke mich im voraus für Ihre Zeit und die Unterstützung.

Mit freundlichen Grüssen

Christine Loew
PADI IDCS
TDI Cave Instructor
Playa del Carmen, Mexico
info@diving-caves.com
christineloew@gmx.de

Lernen oder Warum werde ich ein Höhlentaucher

Immer wenn ich einen neuen Studenten begrüsse, stelle ich unter anderem die Frage nach dem Warum? Die Hintergründe, die jemand angibt, was einen antreibt, warum, sind für mich immer sehr aufschlussreich und erleichtern mir in vielen Fällen die Planung und Durchführung des Kurses.

Gleichwohl wichtig ist es herauszufinden, wie bereit der Student tatsächlich ist, neues zu lernen. Und hier komme ich schon zu einem der Kernpunkte, wie bewusst ist der Taucher, dass er lernen muss und wieviel er weiss und was er nicht weiss?

Um Charles Darwin zu zitieren: „Ignorance more frequently begets confidence than does knowledge“ (Ignoranz erzeugt häufiger Vertrauen als es Wissen tut). Schon Darwin hat erkannt, dass wer nicht weiss, dass er nicht weiss, auch nicht bereit sein kann zu lernen, weil er ja nicht weiss, dass er nicht weiss. Das scheint nur verworren, hat aber seit einigen Jahren als Phänomen einen Namen: der Dunning-Kruger-Effekt. Dies bezeichnet die Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen, die eigenen Defizite nicht zu erkennen, und die Leistungen kompetenterer Personen zu unterschätzen. (siehe Wikipedia).

In dieser Konstellation ist es problematisch einen Studenten für eine neue Lernerfahrung zu öffnen und ohne sein bereits erworbenes Wissen oder Fertigkeiten zu minimieren, ihn darauf vorzubereiten, dass er Neues aufnehmen kann.

In der Kompetenzstufenentwicklung spricht man üblicherweise von 4 Stufen (auch Wikipedia), im Falle eines Lehrers möchte ich noch eine 5. Stufe hinzufügen:

1. Unbewusste Inkompetenz: Das Individuum versteht nicht, worum es geht oder weiß nicht, wie es bewirkt werden soll; ebenso erkennt es seine eigenen Defizite nicht oder hat ein Problem, sie zu erkennen.

2. Bewusste Inkompetenz: Die Person versteht oder weiß nicht, wie sie etwas erreichen kann, kennt jedoch ihre Defizite, kümmert sich aber nicht darum.

3. Bewusste Kompetenz: Die Person versteht oder weiß, wie sie die Dinge anpacken muss, um ein Ziel zu erreichen. Trotzdem erfordert das Zeigen des Könnens und Wissens eine hohe Konzentration und Bewusstheit.

4. Unbewusste Kompetenz: Das Individuum hat soviel praktische Erfahrung mit seinen Fähigkeiten, dass sie ihm in Fleisch und Blut übergehen und jederzeit abgerufen werden können, oftmals ohne höhere Konzentration in Anspruch nehmen zu müssen. Diese Person kann ihre Fähigkeiten, da sie sich ihrer nicht bewußt ist, nicht problemlos weitervermitteln wenn seit dem Erlernen ein längerer Zeitraum vergangen ist.

Und 5. Bewusste Kompetenz der unbewussten Kompetenz: Das Übertragen der gelernten Erfahrung und Formulieren der Lerninhalte, so dass auch Laien und Anfänger (auf Stufe 1 stehende) dies aufgreifen können.

Zurückkommend auf die 4 (5) Stufen, beschreibe ich einen Taucher:

1. Ja ich habe eine Spule, mit 15m Leine für meine Boje. Was die Boje brauche ich nicht in der Höhle – aber was ist mit DIR? Warum brauche ich überhaupt eine Sicherheitsspule und ich weiss nicht wie ich Spulen handhabe und was der Unterschied der verschiedenen Spulen und Rollen ist.

2. Ich verstehe den theoretischen Unterschied zwischen Fingerspulen und Spulen mit Griff und Nabe. Ich kann die normalen Hauptspulen nicht leiden, weil sie nicht das machen, was ich will. Die Fingerspulen sind zu klein, wenn ich Handschuhe anhabe und ich kann nicht mit ihnen arbeiten.

3. Ich kann mit der Hauptspule umgehen, wenn ich langsam abtauche und mich auf die einzelnen Schritte und Prioritäten konzentriere. Meine Fertigkeiten verschlechtern sich, wenn ich unvorbereitet mit neuen Aufgaben oder abgeänderten Aufgaben konfrontiert werde wie zum Beispiel in einem anderen Höhlensystem abtauchen oder Kommunikation plus Tauchtechnik in Kombination mit der Leinenarbeit.

4. Spulen, Hauptspulen ob geschlossen oder offen stellen für mich kein Problem dar und ich wähle aufgrund der Tauchgegebenheit die passenden Spulen aus.

5. Als Instruktor vermittle ich logisch und stufenweise aufgebaut die einzelnen Schritte, um eine Überladung des Studenten zu vermeiden und das Lernen zu vereinfachen. Gleichzeitig bin ich in der Lage, bei Problemen zu intervenieren und bei neuen Situationen entsprechend richtig zu reagieren und zu korrigieren.

Üblicherweise setze ich 8-10 Tage für das Höhlentauchtraining an. Selbst bei Tauchern, die bereits fortgeschrittene Tarierungs- und Vortriebstechniken aufweisen und eventuell auch schon Erfahrung im Tauchen mit technischer Ausrüstungskonfiguration haben, stelle ich fest, dass die meisten Studenten auf Stufe 3 den Kurs beenden. Wenn sie ihn beenden, denn natürlich möchte ich betonen, dass ich nur zertifiziere, wenn jemand die Anforderungen zur Zertifizierung erfüllt. Für das Lernen von motorischen Fertigkeiten kommt darüberhinaus natürlich hinzu, dass nicht jeder Taucher die gleichen motorischen Fähigkeiten, Feedback- Techniken, Körpergefühl und motorische Lernfähigkeit besitzt. Dies sind spätestens beim technischen Taucher die Limitierungen der Ausbildung, der Punkt an dem man den Studenten nach Hause schickt mit der Aufgabe zu Üben und das Gelernte weiter anzuwenden und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückzukommen um das Training wieder aufzunehmen.
Tips für die Zukunft meiner Taucher beinhalten auch immer, das zu üben, was sie am wenigsten mögen und weiter umsichtig und bedacht zu tauchen.

Das gegenseitige Lernen bedeutet für mich, dass ich auf Stufe 5 von jedem (wirklich JEDEM) meiner Studenten lerne. Glücklicherweise bin ich seit 2012 auch wieder in der Lage, diese Lernerfahrungen in Ruhe durchzudenken, zu verarbeiten und mich weiterzuentwickeln. Für mich gehört nicht nur dazu, viel zu Tauchen und im Dschungel neue Systeme zu erforschen, sondern auch das Lernen der theoretischen Basis. Also was haltet ihr also von diesem Buch? Dr. Thomas Gordon, Teacher Effectiveness Training T.E.T. Wird es mir weiterhelfen, wenn ich es dann endlich habe?

Ein kleiner Mexikourlaub

Tauchertraum Yucatan
Ein Film von Stefan Pape

Eine sehr gelungene Dokumentation über das Tauchparadies Riviera Maya mit vielen Aufnahmen von den Cenotes, Playa del Carmen, Cozumel und Isla Mujeres. Die Dokumentation ist begleitend kommentiert von Christine Loew (der Name ist im Video verdreht zu Christine Leow) und Hendrik Matthijssen, meinem ehemaligen Kollegen.

Stefan Pape ist ein Sporttaucher und Kameramann, der seine beiden Leidenschaften sehr harmonisch und professionell verbunden hat. Gefilmt wurde wenn in den Cenoten ausschliesslich im Grottenbereich und ich habe zusätzlich einige Tauchtechniken des Höhlentauchens und in Sidemount demonstriert. Gern beantworte ich Fragen über die Doku unter info@diving-caves.com.

Wer einen kleinen Mexikourlaub geniessen möchte, sollte also nicht bis zum nächsten Urlaub warten. Ausserdem ist es ein ideales Geschenk für den Taucherfreund, der bisher noch nicht in Mexiko war.

Bestellungen können direkt bei DiveVideo oder auch bei Amazon erfolgen.

Stefan und sein Team waren so angetan vom Tauchen hier, dass sie versprochen haben, bald wiederzukommen. Ich freue mich darauf und wünsche allen erst einmal einen entspannten Abend mit dem Tauchertraum Yucatan.

Neue Internetseite

Mit dem Schwerpunkt Höhlentauchen kam die Notwendigkeit, meine Seite zu überarbeiten. Von der alten Internetseite ausgehend, war dies allerdings recht schwer, weil der Name MareNostrum.ws leider nicht so deutlich auf das Höhlentauchen verweist.
Daher also meine neue Internetseite
Diving-caves.com

Bitte schaut auf ihr vorbei, schreibt Kommentare und gebt mir euer Feedback.
Bis bald hier in Playa del Carmen
Christine

Geführtes Höhlentauchen

Meine Arbeit beschreibt sich am besten, wenn der ortsunkundige Kunde darüber erzählt, darum an dieser Stelle einen kurzen Verweis auf den Blog von Christoph Wahrenberger, der mir die Freude macht und schon das zweite Mal mit mir und Yucatek Divers taucht.

Caving und Diving Blog

Ich freue mich besonders, dass er mit dem Sidemountkurs und dem Razor System von Steve Bogaerts einen weiteren Schritt gemacht hat und wir daher eine Menge Höhlen neu entdecken können, wenn er im Mai wieder zurückkommt. Ausserdem stehen dann viele neue Höhlen offen, die im Backmount System einfach nicht so gut zu betauchen sind oder schlichtweg nicht möglich sind, da Einstieg zu eng, Engestellen während des Tauchgangs etc. Das wird ein Highlight des Jahres 2011.

Info- Veranstaltungen Höhlen- Grottentauchen in den Cenoten der Riviera Maya, Mexiko

Einige Termine für die kommende Reise nach Deutschland stehen schon fest:

Cenoten: Grotten- und Höhlentauchen
in und um Playa del Carmen
ein bisschen Meer?

– 16.09.2010 19:00 beim TSC Langgöns ab 20:30 im Anschluss ans Training

– 18.09.2010 19:00 bei den Happy Divers in Asselfingen

– verfügbar für 20.-24.09.2010 München; genauer Veranstaltungsort noch nicht bestätigt.

– ? Nürnberg

– ? Regensburg

– 29.09.2010 Berlin; Abyss Tauchsport

– in Verbindung mit dem Berlin Termin; Nordhausen

In den nächsten Tagen werden die Veranstaltungsdaten noch ergänzt und vervollständigt. Bei Interesse bitte eine email an Christine.

1. Tag Exploration

In den letzten Tagen habe ich mich etwas auf meinen ersten Höhlenforschungstauchgang vorbereitet. Die Grundausrüstung steht, jedoch benötige ich Leine und zwar mehrere Hundert Meter und standardmässig wird diese alle 10 feet geknotet. Damit kann man dann eine Messung der Länge der Leine ziemlich einfach vornehmen. Die erste Spule Nylonleine #18 habe ich gekauft und die Knoten innerhalb einer Stunde plaziert. Richtig hilfreich war das Video von einem Bekannten und exzellentem Höhlentaucher, Steve Bogaerts, der es in wenigen und einfach nachvollziehbaren Schritten erklärt.

Meine Tafel hat einen Kompass, ist auf Linkshänder umgebaut und die Technik, wie ich Leine sinnvoll verlege und die Daten aufnehme, sind in der Theorie bekannt.

Aber natürlich mache ich alle Anfängerfehler, die ich eigentlich tunlichst vermeiden sollte:
– Leine läuft um einen Stein rum und ändert die Richtung. Obwohl ich oftmals zurückschaue, passiert es mir sehr extrem bei den Tiefenänderungen, dass die Leine am Boden oder an der Decke anliegt
– ich verfange mich mit der Flosse in der Leine. Nicht schlimm, aber es passierte. Merke es gleich und korrigiere, aber Haltung nicht in Ordnung.
– der Platz nach oben oder seitlich ist nicht gross genug, dass ich mich oberhalb mit meiner Kompasstafel plazieren kann um die Richtung abzulesen. Es ist wirklich schwierig, die passenden Plazierungen zu finden.

Dazu kommen dann die weiteren Widrigkeiten:
– mein Kompass gibt den Geist auf, ich habe eine Luftblase innen und nach 10 Stationen zeigt die Kompassnadel offensichtlich nicht mehr nach Norden. Wie weit kann ich den ersten Messungen trauen?
– meine Lichthalterung am Helm ist zu wackelig und der Lichtstrahl ist zu weit nach oben gerichtet. Um den Kompass im Licht zu haben, muss ich extrem den Kopf nach unten beugen und dann meine Augen nach oben richten. Das gibt sicherlich eine verfälschte Messung
– die Höhle wird im Salzwasserbereich sehr porös. Mit Perkolation wird in der Geologie das Durchfließen von Wasser durch ein festes Substrat bezeichnet. Dabei kann es zu Herauslösung oder Fällung von Mineralien kommen. (siehe Wikipedia). Beim Höhlentauchen wurde mir Perkolaton als die Situation erklärt, wenn durch das Anstossen der Ausatemblasen an der Höhlendecke sich Stücke aus dem Gestein lösen und herabfallen. Faustgrosse Stücke fallen mit im tiefen Bereich der Höhle entgegen und obwohl ich gut tariert bin und quasi ohne Bewegung schwebe, ist innerhalb weniger Minuten in diesem Teil der Höhle das Wasser weisslich michlig. Durch die Halokline ist ausserdem das Fokussieren fast unmöglich und somit fällt mir das Ablesen der Zahlen schwer, was die Verweildauer erhöht, was die Keine-Sicht- Situation verschlimmert.

Alles in allem eine gigantische erste Erfahrung im Erforschen und Aufnehmen der Daten „meiner“ Höhle. Tauchzeit 1. Tauchgang: 102 Minuten und 2. Tauchgang 41 Minuten mit maximaler Tauchtiefe von 17.9 Meter – verlegt Leine ca. 350 Meter, was aber noch verifiziert werden muss (einschliesslich der Leine des ersten Tages).

Christine

Erforschen von Höhlen

Die Riviera Maya wird gern das Mekka für Höhlentaucher genannt, doch selbst, wenn es hier mehrere Tausend Höhlen gibt und ein hoher Prozentsatz noch nicht entdeckt ist, ist es nicht leicht, im sprichwörtlichen Sinn in das Loch zu fallen. Am besten ist es tatsächlich, wenn man von den Grundstückbesitzern und Anwohnern einen Tip bekommt. Dies passierte mir in dieser Woche gleich zwei Mal.

Der erste Einstieg ist im Höhlensystem Ponderosa und bisher nicht bekannt. Ich werde dorthin in naher Zukunft wieder hinfahren und die Daten aufnehmen. Im Wasser habe ich die Höhlenleine gesehen, die durch diese Luftkuppel durchführt. Das Besondere und Interessante daran ist, dass bisher nicht bekannt war, dass hier ein Ausstieg besteht, weil die Öffnung sehr eng und versteckt ist und kein Tageslicht in die Höhle einfällt. Dennoch ist es ein Notaustieg, der – wenn auch ohne Ausrüstung – den Taucher in Not wieder an die Aussenwelt bringt.

Das grössere Potential liegt jedoch beim zweiten Tip und wird damit zugleich mein erstes Höhlenforschprojekt. Erst gestern kam der Verwalter des Grundstücks in die Tauchbasis und erkundigte sich, ob Interesse bestände, die Cenote auf seinem Grundstück anzusehen. Er beschrieb sie als gross und wenn er von der Oberfläche reinschaut, scheinen Tunnel wegzugehen. „Selbstverständlich“, sagte ich und dass ich sonntags frei hätte. Daher haben wir uns für den kommenden Tag verabredet und nachdem er das nachts um 11:00 Uhr noch bestätigt hat, stand dem nichts mehr im Weg. Ich war so angespannt und voller Freude, dass ich mehrmals in der Nacht aufgewacht bin.

Meine Sidemount- Tauchausrüstung ist komplett und für den Zweck genau richtig und für den ersten Tag, hatte ich auch keine weiteren Pläne, ausser die Cenote kennenzulernen, die GPS Daten zu nehmen und einen kurzen Checktauchgang zu machen.

Wir verabreden uns für 10:00 Uhr und pünktlich geht es los. Wir müssen nicht weit fahren und kreuzen einige neu angelegte Strassen auf den Weg zum Grundstück. Dort angekommen, führt er mich einen kurzen Weg vom Parkplatz zum kreisrunden Einsturz der Cenote. Der innere trockene Bereich ist mindestens 60m im Durchmesser und hat 4 wassergefüllte Einstiege, die es wert sind, zu begutachten. Es regnet leicht und wir sehen uns den vierten Einstieg an und plötzlich – ohne das agressive Summen zu hören, fühle ich einen Stich und instinktiv weiss ich, dass wir sofort weg müssen. Mir fällt nicht das passende spanische Wort ein, um zu sagen, dass Ricardo schnell den Weg frei machen muss und nicht mir helfend die Hand reichen muss. Schon stechen sie ihn auch und wir sind Autsch schreiend auf dem Rückzug. Das war knapp, jeder von uns hat 5-6 Stiche und ich denke mir nur, dass ich mich nicht zu sehr auf seine Ortskenntnisse hätte verlassen und mehr Vorsicht hätte walten lassen sollen. Es schmerzt, aber keiner von uns zeigt besonders starke allergische Reaktionen und diesen Einstieg werde ich ich nächster Zeit erstmal meiden.

Nachdem ich einen ersten Überblick habe, wird die Ausrüstung zum Einstieg gebracht. Was ein Luxus, nicht alles selbst tragen zu müsen, ich glaube Ricardo hat genauso viel Spass am Erforschen wie ich und er hilft gern. Nach den üblichen Ausrüstungschecks geht es langsam in Richtung Dunkelheit. Keine Leine zu sehen, also bringe ich eine Leine an der linken Wand an und bewege mich langsam vorwärts. Nach ca. 50 m endet dieser Raum und führt in einem engeren Tunnel weiter – sicherlich was für die Zukunft anzusehen, aber nicht der Haupttunnel, den ich zu finden hoffe. Also nach rechts weiter und langsam gewinne ich auch etwas Tiefe, eine weitere Sackgasse, nochmal zurück und in einer engen Kurve weiter nach rechts. Die Leine spult sich ab, die Höhle obwohl noch nie betaucht, ist stabil und hinter mir rieseln nur wenige Stückchen zum Boden, der Boden ist mir viel Sediment bedeckt, ich sehe einige Formationen und weiter geht es. Ich verlege 50, dann 100 m und komme langsam zum Ende der Leine. Dann sehe ich wieder Licht und weiss, es ist der andere Einstieg, inzwischen habe ich mit einer zweiten Spule die Leine verlängert. In diesem Eingangsbereich finde ich Knochen, Kieferteile, einige Zähne, Rippenknochen und einen grösseren hohlen Knochen, es sieht alles sehr alt aus.

Ich kann es nicht fassen, ich habe alles am ersten Tag. Nur keine Leine mehr. Die Höhle scheint weiterzugehen, aber nach ca. 30 min Tauchzeit stehe ich vor der Entscheidung, die installierte Leine wieder rauszunehmen und in den weiterführenden Tunnel zu verlegen oder den Rest des Tauchgangs zu geniessen, einige Fotos zu machen und mich am Nachmittag mit der Planung meines Projektes zu befassen. 150 m Leine ist nicht schlecht für das erste Mal, ich beschliesse sie drin zu lassen, selbst wenn ich sie das nächste Mal anders verlegen werde. Heute habe ich noch keine Daten unter Wasser aufgenommen, der Einstiegsbereich ist aus der Erinnerung skizziert und nun sitze ich mit dem Buch „Underwater Cave Survey“ von John Burge, habe mir schon die entsprechende Software zum Daten verarbeiten heruntergeladen und mit Quintana Roo Speleological Survey Kontakt aufgenommen. Ausserdem habe ich Trockenübungen mit einem Freund verabredet, welcher mir eine praktische Einweisung in die entsprechenden Protokolle geben wird.

Ich hoffe, dass ich die ganze Woche frei haben kann und die notwendige Reparatur an meinem Auto in einem Tag fertig ist und ich bald wieder in „meine“ Höhle gehen kann. Und ich hoffe, dass sie mir für viele Tage Grund geben wird, wieder zu ihr zurückzukommen. Hier werde ich lernen, wie ein ordentliches Erforschen mit entsprechender Vermessung und Skizzierung geschieht.

Christine
Höhlenforscher